Welten

AUSKLANG

Du Liebender, der du in diesem Buche Licht und Erleuchtung finden willst, – wisse, daß Licht und Erleuchtung noch keinem durch Lesen und Denken 
kam! –
Die Lehre, die ich dir zu geben habe, ist Leben, Weg und Wahrheit, aber du kannst sie nur empfangen, wenn du sie in dir selbst zu Leben, Weg und Wahrheit werden läßt.
Um dir zu zeigen, was deiner wartet, wenn du also tun willst, bin ich mit Vorbedacht deinem heutigen Zustand vorausgeeilt und versuchte, in dir schon heute und im voraus Empfindungen zu erwecken, die dir erst wahrhaft und wirklich werden können, wenn du den Weg beschreiten und tapfer durchmessen willst, den ich in meinen Schriften von allen PDF Seiten her zu beleuchten versuche, so daß er schwerlich zu verfehlen ist – den ich hier nur andeuten kann und der in seiner Art durchlebt sein muß, um die seelische Reife zu erreichen, die hier in diesem Buche, am Beginn der «Führung», bereits vorausgesetzt wurde. –
Ich glaube aber aus guten Gründen dennoch sagen zu dürfen, daß auf dem Wege zum Geiste jede enge Fesselung vom Übel ist, und sei es auch nur die Bindung durch das Leitseil des Führers.
Jeder Menschengeist auf dieser Erde trägt seine eigenen Auswirkungsmöglichkeiten in sich selbst, und jeder wird seinen Weg auf seine Weise – selbst an der Hand des Führers – am sichersten zu gehen vermögen.
So soll denn auch keineswegs hier etwa der Irrtum Spielraum finden, als müßtest du vorher meine übrigen Lehren kennen, bevor dir dieses Buch zum Antrieb werden könne, in deinem Innersten nach dem Weg zur ewigen Freiheit zu suchen.
Es gibt Naturen, die erst dann einen Weg betreten, wenn sie vorher genau auf der Landkarte dieses Weges kleinste Biegung, jede seiner Höhen und Senkungen sich vergegenwärtigt haben – und es gibt wieder andere Naturen, die nur das Ziel ins Auge zu fassen brauchen, und unbekümmert um die Art des Weges, spontan sich zur Wanderung entschließen.
So mögen dem einen die obenerwähnten Schriften gleichsam als «Landkarte» dienen, während sie dem andern erst später Begleiter auf seinem Wege werden.
Die Art des mir übertragenen Wirkens in diesen Tagen verlangt jedoch, daß alles, was ich mit den mir eigenen Ausdrucksmitteln zu geben habe, in sich eine Einheit bilde, und so ist denn auch dieses Buch hier nicht von dem zu trennen, was ich bereits vorher gab und was ich noch fürderhin auszusprechen haben werde.

Es tut bitter not, der heutigen Welt zu zeigen, daß es dennoch einen wirklichen Weg zum Geiste gibt und daß der Wanderer auf diesem Wege gar wohl sein Ziel erreichen kann.
Ein wenig Urteilsvermögen muß allerdings dem Wanderer zu eigen sein, und er darf auf diesen, doch immerhin auch gefahrumdrohten Weg, sich nur dann begeben, wenn er der dargebotenen Führung jene Zustimmung des Herzens zu geben vermag, die in jedem Menschengeiste erwacht, wenn er berufener Führung begegnet – es sei denn, er habe längst sich entwöhnt, auf diese innere Bestätigung zu hören. –

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Nicht wenige scheuen auch vor dem Betreten des Weges zurück, weil seit Jahrtausenden der Albdruck düsterer Lehren auf der Menschheit lastet, die ihr den Weg zum Geiste als einen Weg der Weltentsagung und des Leidenwollens erscheinen lassen.
Furchtbares Unheil, Wahn und Verbrechen am Heiligsten haben diese Lehren über die Menschheit gebracht, und noch immer ist ihres Wütens kein Ende…
Das Edle und Gute, in dessen Namen man solcher Unheilsaat auf Erden Wachstum schuf, wurde wahrlich allzuteuer von der Menschheit bezahlt!–
Wohl war man guten Glaubens, wenn man den Weg zum Geiste nur um den Preis der «Weltverneinung» gangbar wähnte – und man ist es noch jetzt…
Aber wie sehr man auch immer die vermeintliche Notwendigkeit betonte, der Welt zu entfliehen, um in den Geist zu gelangen, so sah man sich in allen diesen Lehren doch gar bald genötigt, dem Leben – das Ausfluß des Geistes ist – und wahrlich siegreicher sich zeigt als jede Glaubenslehre, – mit Weh und Ach auf weite Strecken hin das Feld zu räumen. – –

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Man glaube auch nicht, daß solche Lehren wirklich nur die reine, unverfälschte Weisheit großer Menschheitslehrer überliefern!
Der einzige, den man hier nennen dürfte, war jener indische Fürstensohn, der nicht anders seine dekadente Umwelt heilen zu können glaubte, als durch die Predigt von dem Leid der Welt, dem nur Erlösung werden könne durch Verzicht.
Aber selbst dieses einen Lehre läßt aus gewichtigen Gründen noch die Frage offen, ob sie nicht erst als Beute eines Mönchtums, das durch sie den Ruf der «Heiligkeit» erlangte, die Form gewann, in der sie überliefert wird? –
Wo immer aber in anderen Lehren der Pestbazillus quietistischer Tatentmannung und träumender Weltflucht gezüchtet wurde, dort darf man sicher sein, nur einem irrigen Verstehen weiser Lehren zu begegnen.

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Im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung ertönt schon die Klage, daß die Berichte, die Leben und Lehre des hohen Meisters aus Nazareth beschreiben, kaum mehr als authentisch anzusehen seien!
Und was hat spätere Zeit in aller Einfalt hier noch dazugetan und weggenommen! –
Trotz allem aber ist bis auf den heutigen Tag doch immerhin noch einiges geblieben, das wahrlich alles andere zeigt als einen Lehrer, der die Weltflucht preist. –
Es ist vergeblich Mühen, sich hier auf «das Wort der Schrift» zu stützen – der gleichen «Schrift», die den Meister klagen läßt, daß man ihn «Fresser und Weinsäufer» nenne, weil er mit denen, die ihn luden, aß und trank-der gleichen «Schrift», die als sein erstes «Wunder» zu berichten weiß, daß er bei einer Hochzeit, als die Gäste nach des Speisemeisters Urteil schon «genug getrunken» hatten, Wasser in Wein verwandelt habe. – –
Wer Augen hat zu lesen, und nicht den Kampf der Weltfluchtswahnerfüllten mit des Meisters wahrer Lehre sieht, der sich auf jeder Seite der Berichte, die auf uns gekommen sind, ereignet hat, bevor der Text entstand, den wir nun kennen, – dem mag wohl kaum zu helfen sein!

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Es ist eine diabolische Verwirrung menschlichen Empfindens, die seit Jahrtausenden von einem üblen Ausgangsherde aus sich über weite Länder und Geschlechterfolgen hin verbreitet und den Menschen in den Wahn verstrickt, als sei der Weg zum Geiste quasi zu erhandeln, als heische einer da Tribut an erdenfestem Leben und lasse keinen diesen Weg betreten, der nicht willens ist, dem Leben zu entsagen.


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Aber solange Menschengeister, die durch eigenen Willens Wahl dereinst ihr «Paradies» verließen, hier auf dieser Erde sich dem Menschentiere einen müssen, um den Weg zurück zum Geiste nun zu finden, wird ihnen stets der hohe Auftrag werden:… «Beherrschet die Erde und machet sie euch Untertan!’» –denn nur als Herren und Beherrscher ihres Erdendaseins können sie in wacher Tat die Kräfte stählen, die vonnöten sind, wenn sie den Weg zum Geiste an des Führers Hand beschreiten 
wollen. – – –
Wer das Leben der Erde flieht, statt es beherrschen zu lernen, der hat «die Welt» wahrhaftig nicht überwunden!!

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Es heißt den Freuden, die uns das Dasein im Erdentiereskörper ermöglicht, eine lächerliche Überwertung geben, schätzt du sie so hoch, daß sie als «Preis» für deine geistige Erleuchtung gelten könnten. – 
Du machst auf solche Weise aus deinem Gotte einen «Wilden», der sich sein gutes Gold um – Glasperlen abhandeln läßt! – –
Gewiß ist Beherrschung der Erde auch: Beherrschung ihrer Freuden; aber niemals ist Beherrschung: – Verzicht!

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Wie einer, dessen ganzes Sinnen von einem großen Werke derart erfüllt ist, daß er inmitten einer lärmenden Menge dennoch nur die Stimme seines Innern hört, so sollst du den Lärm der Erdentierestriebe in dir nicht etwa «niederschreien» wollen, sondern dich selber sollst du auch inmitten ihres Lärmens allein nur hören!
Es sind tiefe Kräfte in deinen erdenhaften Trieben verborgen, und du gewahrst sie oft genug, wenn du ihnen, häufiger, als du möchtest, erliegst!
Aber diese Triebe verlangen dich als Herrn, und wenn du nicht Herr zu sein vermagst, und statt dessen deine Triebe tötest, erschlägst du dir nur deine besten Diener…
Du beherrschst deine Triebe nur dann, wenn du jederzeit mit wachem Willen dich ihnen anvertrauen kannst, ohne befürchten zu müssen, daß sie dich weiter treiben könnten, als du getrieben werden willst! –
Hast du das erreicht, dann hast du die höchste Spannkraft gewonnen, die dir dein irdisches Leben für deines Geistes Entfaltung zu geben vermag…
Du kannst nur in dein wesenhaftes, ewiges Geistes-Sein zurück gelangen, wenn du hier stets alle die Wirkungskräfte zu benutzen weißt, über die du, nun einmal dem tierischen Körper verbunden, in dieser Daseinsart verfügst!
Alles andere ist nur ein Erträumen, dem nichts wahrhaft Wirkliches entspricht!

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Viele haben sich so eine «innere Welt» erträumt, die oft alle Schönheit eines echten Dichterwerkes zeigte, aber auch keineswegs eine andere Wahrheit in sich barg, als jene, die einer Dichtung eigen ist. 
Andere wieder suchten in der Ekstase sich ihrem Ewigen zu nähern und glaubten auch, es so gefunden zu haben.
Sie ahnten nicht, daß sie nur einem Trugspiel geheimer Körperkräfte erlegen waren, die sie durch ihr irriges Streben selbst erregt und entbunden hatten, ohne ihrer Herr zu sein. –

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Wenn ich dir raten darf, als einer, der von einer Sache redet, die er bis in ihre letzten Tiefen kennt, – dann gehe allen Lehren aus dem Wege, die nur auf mystisches Erträumen und vermeintliches Hellseher-«Wissen» sich berufen; – vermeide aber noch mehr alle Lehren, die dich zur Ekstase, zur Preisgabe deines vollen Wachbewußtseins ver-führen wollen!
Der Geist der Ewigkeit, aus dem dein innerstes Sein entstammt und in dem es wieder seine Heimat finden will, ist das Allerwirklichste alles dessen, was man «wirklich» nennen kann! –
Er gibt sich niemals Träumern und Phantasten kund! 
Du mußt ihn in dir suchen mit der gleichen Weichheit, mit der gleichen Inbrunst, die selbst schon jeden Forschenden erfüllt, der in der äußeren Natur erahnte Kräfte zu entdecken sucht!
Suche aber nicht etwa weit von dir!
Es gilt ja, dein Allerinnerstes zu entdecken. –
Die meisten, die behaupten, vergeblich gesucht zu haben, schweiften in die Weite, glaubten ein völlig Fremdes finden zu müssen und verbargen so selbst ihrem Blick, was ihnen am allernächsten, am allereigensten war und ist. –
Nur in dir selbst, im Innersten deines Innern beginnt der Weg, der dich in deine ewige Heimat führt!
Gewiß wirst du, wenn du ihn finden willst, an jedem Tage eine kleine Zeit der inneren Versenkung weihen müssen, allein, du darfst nicht vergessen, daß diese Versenkung dir nur dann von Nutzen ist, wenn sie dein übriges Tagewerk beflügelt, statt es zu erlahmen!
Wer nicht bei seinem Suchen nach der innersten Wirklichkeit von Tag zu Tag die Kräfte zu äußerem Tun und Wirken in sich wachsen fühlt, der ist auf falschen Bahnen…


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Der Weg zum wesenhaften Geiste ist im Grunde so einfach, daß du gut tun wirst, dich selbst, in deinem ganzen Denken und Empfinden, zu «vereinfachen»!
Dies ist der Sinn der Worte des hohen Meisters, wenn er lehrte: «So ihr nicht werdet wie die Kindlein, wird euch das Reich der Himmel sich nicht erschließen.» –
Die meisten Gehirne sind zu kompliziert geworden, als daß sie noch fähig wären, ohne bewußte Umstellung zu einfachstem Reagieren das Mysterium des Menschen zu erfassen.
Vielfältig sind zwar die Mittel, die du anwenden kannst, um dich wieder zu geistigem Leben zu erwecken, aber am Ziel deiner Mühen wirst du dich immer nur wundern müssen, weshalb du nicht früher erkanntest, was dir dann als das Aller einfachste und von selbst Verständlichste erscheint. –
Du bist auch jetzt nicht getrennt vom geistigen Leben, doch es schläft noch jene einfache Erkenntniskraft in dir, die es dir enthüllen könnte, und durch deinen irrigen Glauben, die geistige Wirklichkeit sei durch dein Denken zu erreichen, versäumst du es, diese einzige Kraft in dir zu erwecken, die dir auf alle deine Fragen Antwort geben würde, wäre sie in dir erwacht…

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Was ich dir hier in diesem Buche gebe, sind Mittel, diese Kraft in dir zu wecken.
Es ist nötig, dein inneres Empfinden «wie eine Harfe zu stimmen», damit der reine Grundakkord in dir ertönen kann, der diese Kraft allein dem Schlafe zu entreißen vermag.
Auch wenn sie zuerst nur zaghaft und leise sich in dir zu äußern wagt, so wirst du sie doch niemals mehr verlieren können, wenn sie einmal dir zum Bewußtsein sprach.
Glaube aber nicht, daß du ihr Erwachen erzwingen könntest!
Du kannst nur immer erneut an jedem Tage die Vorbedingungen schaffen und mußt in Geduld verharren, bis sie früher oder später, spontan in dir zum Erwachen kommt.
Wichtigste Vorbedingung ist eine Einstellung deines ganzen Sinnens und Trachtens auf äußerste Einfachheit des Empfindens hin. –
«Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich!»
– Du schleppst noch immer einen ungeheuren Ballast an Gedanken-Reichtum mit dir herum, der dir nur die freie, leichte Haltung raubt, die du wahren mußt, willst du das «Reich der Himmel» in dir selber finden!
Nur in diesem Sinne sollst du «dir selbst entfliehen», sollst du «dich selbst verlieren», um dich in wacher Wirklichkeit finden zu können, denn deine Gedanken wurden dir längst ein Ersatz deiner selbst, und du weißt noch nicht, daß du selbst wahrlich etwas anderes bist als dein Denken, das dich in seinem Reichtum erstickt. –
Doch du sollst Herr sein auch deines Denkens, während du heute noch sein machtloser Sklave bist!
Was ich schon vordem von den Trieben sagte, das muß ich auch hier in bezug auf deine Gedanken wiederholen:
Herr sein heißt nicht, auf die Dienste seines Dieners verzichten!
Aber deine Diener dürfen niemals deine Herren werden. –

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Erfülle dich selbst mit einer ruhigen Zuversicht, denn wer ein Ziel erreichen will, der muß vor allem an sich selbst, und seine Kraft, es zu erreichen, glauben! –
Beginne nicht damit, dir tausend Fragen zu stellen, auf die dir erst Antwort werden kann, wenn du die Lehre lebst, die ich dir gebe!
Hier wird praktisches Handeln von dir verlangt, und das Resultat dieses Handelns ist ein neues Sein, nicht ein anderes Meinen und Glauben!
Lasse ruhig auf sich beruhen, was du bis heute glauben oder meinen mochtest!
Wenn du in Tat und Leben umsetzest, was ich dir gebe, dann wirst du selbst dir einst sagen können, was bis heute deines Glaubens Wahrheit und was Täuschung war.
Fragen, auf die du dir selbst nicht Antwort geben kannst, haben auch dann ihre letzte Beantwortung nicht gefunden, wenn du von anderer Seite eine Antwort hörst…
In dir selbst muß dein ganzes Sein und Denken seine tiefste Begründung finden. –

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Erhalte dir in jeder Lebenslage eine heitere Ruhe, und wenn du dies noch nicht vermagst, so erziehe dich selbst dazu!
Du wirst mir sagen, dein Tagewerk bringe täglich Begebenheiten, die auch der Weiseste nicht mit Ruhe und Heiterkeit aufnehmen könne.
Ich will dir gerne glauben, daß es dir heute noch so erscheint.
Du wirst aber anders urteilen lernen, wenn du dich selbst zu wandeln verstehst. – –
Die Dinge und Ereignisse dieses Erdenlebens sind für uns nur immer das, was wir daraus für unsre Vorstellung machen. –
Ich erwarte von dir gewiß nicht, daß dich ein leidvolles, schweres Schicksal zur «Heiterkeit» frei erhalten solle.
Die großen Dinge des Lebens aber rauben dir fast niemals deine Ruhe; ja man darf sagen, daß schweres Erdulden schon gar manchem half, die Ruhe zu gewinnen, die ich dir empfehle.
Es sind immer die kleinen Alltagswichtigkeiten, die dich um deine Ruhe bringen; – Dinge und Begebenheiten, die dir schon nach kurzer Zeit sehr unbedeutend werden.
Du sollst der Welt nicht entfliehen, und so wirst du bestrebt sein müssen, in dir selbst einen Seelenzustand zu erhalten, der dich befähigt, die Dinge des Alltags gelassen hinzunehmen.
Du kannst in dem Äußeren dieses Daseins gar vieles nicht ändern, auch wenn deine Änderung allen zum Heile würde.
Nur in dir selbst hast du fast unumschränkte Macht, und immer mehr wird sich dir deine Macht erweisen, je mehr du sie in dir gebrauchen lernst. –
So töricht war noch nie ein Fürst, daß er in fremden Ländern den Gehorsam hätte finden wollen, den er im eigenen Lande nur erwarten durfte.
So sollst auch du hinfür nicht mehr von außen her erwarten, was du nur in dir selbst, in deinem Innenreich, nach Wunsch und Willen ordnen kannst.
Wohl werden immer äußere Begebenheiten dich beim Zusammenprall für den ersten Augenblick erregen können, allein, der zweite Augenblick soll dich schon wieder in deiner Macht erblicken, zur Ruhe alle Kräfte in dir zwingend, wenn sie noch nicht auf den ersten Ruf gehorchen wollen.
Du wirst dir viel Leid auf solche Weise ersparen und dir erst selbst dadurch zur Freude werden! –

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Daß du dir selbst in vollem Maße zur Freude werden mögest, dazu gebe ich dir alle Lehre!
Ich will den «Künstler» in dir wecken; der aus dir ein ewiges Götterbild gestalten kann. –
Du selbst bist hier der «Künstler» und zugleich das Werk!
Allzulange schon säumte der «Künstler» in dir an deiner Gestaltung – ja du hast längst vergessen, daß du selbst es bist, der dir allein deine ewige Form verleihen kann.
Immer hast du die Zufallsformung, die dir von außen her gegeben ward, als unentrinnbare Notwendigkeit betrachtet.
Ich will dich frei von solchem Glauben sehen!
Was dir von außen her an Sternengunst und Ungunst zufiel, ist nicht ein «Fatum», dem du nicht entrinnen kannst – soll dich vielmehr zur höchsten Anspannung bewegen, um Gunst wie Ungunst deinem hohen Ziel zu beugen!–
Der «Künstler» in dir benutzt sein Formungsmaterial, wie er es eben findet, und darin erweist sich seine Kunst, daß er sowohl Vorzug wie auch Mängel seines Materials in bester Art dem Werke dienstbar macht. –
Du mußt nur selbst den «Künstler» dieses Werkes in dir fühlen lernen, auch wenn du bisher glaubtest, eher ein trockener Rechner des Lebens sein zu müssen, um ihm zu entsprechen!

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Du hast Unendliches zu gewinnen, wenn du meinen Ratschlägen folgen willst, und du kannst dir dabei mit Sicherheit sagen, daß du keinesfalls irgend etwas verlieren wirst.
Benütze dieses Buch in der Weise, wie es benützt sein will, und es wird dir vieles nützen können!
Nicht von flüchtigem Lesen wirst du dir Nutzen versprechen dürfen, sondern erst dann, wenn dein «Lesen» dir zum Erleben wird! – –
Dann aber, glaube ich, wird dir dies Buch zum Freunde werden, zu einem Freunde, den du nie mehr wirst missen wollen und der dir dein eigenes Haus zum Tempel weihen wird…

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Je mehr du lernen wirst, die Gesichte, die ich dir hier zeige, an der Hand meiner Führung innerlich zu erfühlen, desto mehr wirst du auch meiner Worte letzten Sinn erfassen, so wie dich umgekehrt die Worte leiten wollen, diese Bilder nacherlebend deiner Seele anzueignen.
Möge dir beides zum Segen werden!
Möchtest du selbst dich fähig machen, jenem Zuruf zu entsprechen, den einst die Priester eines alten Weihetempels über seinen Eingang meißeln ließen:

«ERKENNE DICH SELBST!»

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