GELEITWORT

MEHR LICHT

Vorwort

Geleitwort
Denen, die des Schlafens müde wurden.
Die Baumeister am Dome der Menschheit.
Theosophie und Pseudotheosophie.
Von den drei Stufen.
Was es zu fassen gilt!
Das Mysterium der künstlerischen Ausdrucksform.
Westöstliche Magie.
Das Licht des Geistes im Christentum.
Das Geheimnis der alten Dombauhülten.
Vom rechten Gottesdienst.


GELEITWORT

 

Es gibt Zeiten der Menschheitsgeschichte, in denen der Mensch der Erde sich gänzlich von seiner geistigen Urheimat verlassen fühlt, ja diese Urheimat auch nur noch ahnend zu erglauben nicht mehr fähig ist.

Hinwiederum aber gibt es andere Zeiten, in denen viele Sucher aus aller Menschheit sich wieder hin zum Geistigen wenden, dunkel fühlend, daß auch der Mensch auf dieser Erde des Geistes Erbe für sich erlangen könnte, aber nicht mehr des Weges bewußt ist, der zum wesenhaften Geiste führt. So sucht man und tastet im Dunkel, — zwar bemüht, diesen Weg zu finden, aber auch jedem Irrweg blind vertrauend, wenn er nur seltsam und geheimnisvoll erscheint.

Hier gilt es „mehr Licht” in das verwirrende Dunkel zu bringen, denn Unzählige irren planlos zu solchen Zeiten in den Labyrinthen der Spekulation umher, oder laufen vermeintlichen geistigen „Führern” nach, die ihre Anhänger nur zu sich selbst und ihrer eigenen Torheit ver-führen.


Wir stehen inmitten einer solchen Zeit des Suchens nach dem Geiste, auch wenn zugleich noch allenthalben der brüske Tiermensch billige Triumphe feiert.
Es wäre unverantwortlich, wollte man sagen, daß nur „Sensationsbedürfnis”, eitle Neugier und hochmütiger Drang nach Erweiterung ihres Wissens alle Suchenden leite, die da heute trotz aller Gegenströmung dem Lichte des Geistes zustreben.
Es wäre töricht, jene Suchenden geringzuschätzen, die in den Formen alter Religionen den roten Faden zu finden hoffen, der sie aus den dunklen Irrgängen philosophischer Spekulation heraus, zu wahrer Erkenntnis führen könne.

Es gibt gar manche Möglichkeit, dem Dunkel zu entrinnen, und wer ihm zu entrinnen vermag, der soll nicht fragen, ob es auch „noch andere” Wege gäbe, zum freien Ausgang zu gelangen, wenn nur sein Weg ihn wirklich zum Lichte leiten konnte.

Unter den Suchenden in heutiger Zeit gibt es aber schon zu viele, die bereits müde des Suchens sind, weil jeder Weg der von ihnen eingeschlagen wurde, sich als Irrweg erwies, und weil jeder vorgeblich geistige „Führer”, dem sie blindlings vertrauten, sich schließlich als ebenso unwissend und des Weges unkundig zeigte, wie die von ihm geführte Schar.

Für diese so zahlreichen unter den Suchenden schreibe ich in erster Linie, als einer, der nur von Dingen redet, die ihm vertraut sind, wie sie nur selten einem Erdenmenschen vertraut werden können. Jene andere Art der Suchenden aber, die bereits gefunden zu haben glaubt, wird hier einen Prüfstein erhalten, der untrüglich Echtes von Täuschendem scheidet.


Die einzelnen Abhandlungen dieses Buches sind für sich gesondert entstanden und gesondert lesbar.

Sie wurden jeweils geschrieben, um vielen Fragenden gemeinsame Antwort zu erteilen, da meine Zeit und Kraft schon damals nicht ausgereicht haben würde, um jede persönliche Frage auch gesondert zu erörtern. Die Themen ergaben sich aus den Fragestellungen. Es mußte daher auch manches erwähnt werden, was ich ohne wirklich begründete Anfrage gewiß nicht der Erörterung für wert erachtet haben würde. Auch die unvermeidbaren Wiederholungen sind durch die Art der Anfragen gerechtfertigt.

Aber alle Kapitel dieses Buches sind dennoch, wie das nicht anders sein kann, aufs engste im Geistigen verbunden, und bilden in ihrer Gesamtheit eine Grundlage, auf der jeder Einzelne in seiner Art mit Sicherheit weiterbauen kann, stets auf festen Fundamenten fußend.

So dürfte es denn kaum einen Leser geben, der nicht aus dem hier vorliegenden Buche reichsten Gewinn zöge: — dem es nicht wirklich „mehr Licht” zu bringen imstande wäre. Allerdings wird sich der nach Einsicht Verlangende darüber klar werden müssen, daß wirkliche Einsicht in die Geheimnisse geistigen, unzerstörbaren Lebens nicht durch ein neues religiöses oder philosophisches Lehrsystem zu erlangen ist. Daher wird der Suchende in meinen Schriften kaum je einem sogenannten „Lehrsatz” begegnen, der sich systematisch einem anderen anschließen möchte. Ich zeige vielmehr dem Suchenden das Geistige, dem er zustrebt, von den verschiedensten Gesichtspunkten her in immer wieder neuen Bildern, seinem Fühlen vertrauend und sein eigenes Urteil anrufend, damit er aus dem so Vielfältigen sich die innere Gewißheit selber verschaffe, die jede Seele sich nur selbst zu geben vermag. Es liegt mir nicht das geringste an der Zustimmung des Verstandes, die ich etwa bei einem Aufnehmenden meiner Worte finde. Ich will ihm lediglich die innere; Verfassung erreichen helfen, in der allein ihm offenbar werden kann, was das Dunkel um ihn her seiner Seele verbirgt!

Es wäre total verkehrt, in meinem Lehrwerk „Lehrsätze”, — also: formgefaßte und nur in dieser Formung allein gültige Behauptungen aufspüren zu wollen. Man wird nur dann zu der von mir in diese Zeit gebrachten Lehre gelangen, wenn man jedes der einzelnen Lehrstücke auf die eigene Seele wirken läßt, indem man in jedem zuerst nur mein ewiges geistiges Sein zu empfinden sucht. Hat man dieses, mein ewiges, wahres „Sein” endlich empfunden, so wird man auch aus ihm heraus alle „Antwort” in sich selbst erlangen, nach der man begehrt, und zugleich die Gewißheit ihrer unumstößlichen Wahrheit als Zeugnis ewiger Wirklichkeit.

Es ist auch ein Irrtum, zu glauben, daß man in persönlicher Unterredung mit mir vielleicht mehr Aufschlüsse erlangen könne, als in den von mir gestalteten Lehrschriften zu finden sind. Wer mit mir spricht, der steht meiner körperlichen vergänglichen Erscheinung gegenüber, — nicht mir, für den ihm ja alle Wahrnehmungsorgane fehlen! Ich kann ihm wohl antworten über das Vehikel des mir zeitbegrenzt dargebotenen Gehirns, aber es ist ganz unmöglich, mir in seiner Gegenwart die Sprachgestaltung zu schaffen, durch die ich substantiell in ihn einzugehen vermag. — Dazu gehört Einsamkeit und absolute Isolation von Schwingungen anderer Gehirne: — unvorstellbar intensive Konzentration!