Der Bruder und die Bruderschaft
nach der ordnung Melchizedeks

Der Bruder und die Bruderschaft
nach der Ordnung Melchizedeks

Vorspiel Die Leuchtenden des Ullichtes
Ester Teil ‘Die Hütte Gottes bei den Menschen’
Zweiter Teil Im Osten wohnt das Licht
Dritter Teil Von der geistigen Vereinigung
Vierter Teil Der Meister von Nazareth
Funfter Teil Das Mysterium von Golgatha
Sechster Teil Jesus Christus





 

Zweiter Teil


Im Osten wohnt das Licht

 

Nur wenige Menschen des „Westens” ahnen die Wahrheit, wenn sie von den „weisen Männern des Ostens” hören, von denen alte Überlieferung in stillen Kreisen edler Wahrheitssucher spricht, – und unter denen, die hier dunkel ahnen um was es sich handelt, sind wieder nur Allzuwenige, die sich törichter Vorstellungen enthalten können, sobald sie ihrer „Ahnung” bildhafte Gestalt zu geben suchen. – –

Im Osten, im Herzen Asiens, wurde das Messer des Gedankens am schärfsten geschliffen.

Hier aber waren auch schon vor Jahrtausenden die Großen, die über allem Denken den klaren Weg zur Wahrheit fanden, der Wahrheit, die nichts anderes als absolute Wirklichkeit ist, und nichts zu tun hat mit gedanklichen Erkenntnisbildern, in denen man gemeinhin das, was man „die Wahrheit” nennt, zu haben glaubt.

Unter hoher Leitung fanden jene ersten der „Brüder auf Erden” Weg und Ziel...

Seitdem unterweisen sie und ihre Nachfolger die Suchenden, die dazu „reif” befunden werden, im Geiste durch den Geist.

Sie haben „den heiligen Schutzwall des Schweigens” um ihre Vereinung gezogen, und nur der findet „Zutritt” zu ihnen, den sie im Geiste als „reif” erkennen, ein Erkennender im Geiste zu werden.

Sie wissen, daß ihre Gabe denen nur von Nutzen ist, die das Ende ihrer Mühen auf dem „Pfade” nahe vor sich haben. –

Allen aber senden sie aus ihrer Mitte helfende Lehrer, und sie sandten sie zu aller Zeit...

Im Westen wie im Osten fanden sich stets solche „wirkende Brüder”.

An keinem äußeren Zeichen sind die Glieder der hohen Vereinung erkennbar.

Sie allein nur erkennen, wer zu ihnen gehört. –

Ihr geistiges Wesen ist tief verborgen vor den Augen der Menschen.

Keiner der hier Gemeinten wird jemals versuchen, eine Gemeinde um sich zu scharen.

Keiner hat jemals solche Gemeinden begründet oder „gestiftet”!

Was als „Gemeinde” in der Welt entstand und sich auf die Stimme der „Brüder auf Erden” oder gar ihrer hohen „Väter” im Lichte berufen hat, war immer nur das Werk noch ungereifter Seelen, die durch zu früh entfaltete innere Sinne fähig wurden, einiges aus dem Kreise des innersten „Ostens” zu vernehmen, wie Lauscher, die an Schlüssellöchern horchen, und ohne daß ihnen die Kräfte gegeben waren, auch das Erlauschte nun in rechter Art zu deuten. –

Sehr selten nur trat einer der Brüder persönlich und mit klarem Bekenntnis seiner Artung vor seine Mitmenschen im Getriebe äußerer Welt, und für jeden der es tat, wurde dieser Schritt zu einem bitteren Opfer...

Wo solche Opfer nicht unbedingt vonnöten sind, sollen sie vermieden werden.

Daher die Verborgenheit, aus der heraus die „weisen Männer des Ostens” wirken. – –

Daher die Verschwiegenheit in die sich jedes Glied dieses Kreises hüllt, solange seine Aufgabe ihm nicht den Zwang auferlegt, sei es in symbolischer Umschreibung, sei es in deutlicheren Worten, seine geistige Art zu bekennen, die auch wahrlich nicht leicht sich bekennen läßt…

Die hohe Gemeinschaft der Leuchtenden, von der uralte Tradition ehrfürchtiger Wahrheitssucher als den „weisen Männern des Ostens” ( Matthäus 2:1-2 ) spricht, ist allein durch geistiges Gesetz gebunden.

Ihre Glieder kennen keine Gelübde der Askese und keine „Ordens”-Schwüre.

Die Entfaltung der geistigen Kräfte hängt nicht von solchen Dingen ab.

Was aber durch das „Gesetz” verlangt wird, dem diese Kräfte gehorchen, das ist weit mehr als härteste Askese und das strengste Büßerleben….

Es müssen viele Vorstellungen aufgegeben werden, die zwar auf an sich richtigen Prämissen beruhen, aber nur die niederen Kräfte am Menschen berühren, wenn man wissen will, was ein „Eingeweihter” dieser Vereinung in Wahrheit ist. –

Jeder aber, der es ist, wird euch erkennen, unbeirrt durch eure irrtümlichen Vorstellungen.

Sein „Lehren” tönt auch nicht eurem äußeren Ohr, – selbst wenn ihr ihn „persönlich” kennen solltet. –

Die Mitteilungen, die ein Geistgeeinter etwa in der Sprache seines Landes gibt, machen nicht sein „Lehren” aus….

Sie sollen euch nur „Fingerzeige” sein, damit ihr ihn, oder was seiner Art ist, wiederfindet in euch selbst: – in eurem Innersten.

Auch seine äußeren Worte aber wollen empfunden, nicht „erklärt”, nicht gedanklich zerfasert werden!



Aus: Das Buch vom lebendigen Gott pdf Seiten 248-253