Jesus Christus
Der grÖßte Liebende

Jesus Christus
Der größte Liebende


Erstes Vorspiel Von der Bruderschaft
Zweites Vorspiel Vom empfänglichten Leser
Drittes Vorspiel Vom Sucher
Zwischenspiel Golgota

 

Drittes Vorspiel


Vom Sucher



 

Unter denen, die in heutigen Tagen einer geistigen Erneuerung zustreben, sind unstreitig sehr viele zu finden, denen der hohe Meister von Nazareth seit frühester Jugend als göttlicher Lehrer galt, — denen das „Mysterium von Golgatha” Mittelpunkt ihres Glaubens war…

In manchen mag noch heute ein tiefer Christusglaube Leben zeugen, während andere längst in Seelennot und Zweifel das verloren haben, was ihrer Kindheit Licht und Gottesgewißheit gab. — —

Allen diesen aber glaube ich hier manche Schleier lüften zu können, die vor ihren Augen bisher verborgen hielten, was ihres Herzens tiefster Sehnsucht allein die letzte Bestätigung bringen kann. —

Es gilt, die tiefe Wahrheit zu enthüllen, die in dem Gottessohn von Nazareth ein Leben formte, das in fernste Zeiten noch des Lichtes reine Strahlen senden wird, so sehr auch diese heutige Zeit gar manche Zweifel an der Wahrheit dieses Lebens nährt.

Die mannigfachsten Bilder haben im Laufe der Jahrhunderte das Bild des „großen Liebenden”, des erhabenen Meisters der Evangelien, verdunkelt.

Schon damals, als sein Fuß noch durch die Gaue Palästinas wanderte, gab es nur Wenige, die wahrhaft wußten, wer er war, und die, von denen uns die heiligen Bücher als von seinen Jüngern reden, dürfen kaum zu diesen Wenigen gerechnet werden.

Was uns erhalten ist an Worten seiner Lehre, trägt die Farben aller derer, die durch seine Lehre eigenes Wähnen stützen wollten…

Weniges nur läßt sich auch heute noch als ungetrübte Kunde seines Lebens werten.

Und dennoch strahlen selbst die Trüm mer der Berichte noch von einem Lichte Kunde, das wahrlich „nicht von dieser Erde” ist, doch eines „Menschen-Sohnes” Wirken brauchte, um dem Menschen dieser Erde sich zu geben.

Wahrheit und Sage haben sich im Laufe der Zeiten in dieses Lichtes Leuchten gestellt.

Urtiefe Symbole suchten in ihm Erhellung.

Altes und Neues mußte es jeweils beleuchten, aber nur äußerst selten ward es in seiner wahren Wesenheit erkannt.

Des hohen Meisters göttliche Lehre wird aber keinem, der die alten Berichte liest, die tiefsten Tiefen erhellen, solange der Meister selbst noch hinter den Schleiern der Berichte verborgen bleibt. —

Die sich seine Diener nannten, waren selbst im Geiste viel zu weit von ihm entfernt, um ihn zu erkennen, und ihre Sorge war es zumeist: — an alter Kunde nicht zu rühren.

So konnte es kommen, daß eine neue, ihres Verstandeswissens allzu sichere Zeit selbst des Meisters Dasein in Frage zog.

Aber der, von dem das Wort berichtet wird: „Ich will bei euch bleiben bis ans Ende der Welt” — war anderen Maßes als seine Diener und anderen Maßes als seine Leugner.

Wohl dir, wenn du beim Lesen dieses Buches seine hohen, reinen Züge erkennst!

Auch wenn du dich nicht nach seiner Lehre nennst, oder vielmehr nach der Lehre, die man in seinem Namen schuf, — so wirst du ihm dennoch fürder angehören, wenn du erkanntest, wer er wirklich war — und ist…

Dann wirst du mit anderen Augen die Berichte lesen, die von ihm erzählen, und alle Zweifelsgründe werden dir benommen sein. —

Bist du ein Gläubiger der alten Lehren, die auf seiner Lehre ihre Dome erbauten, dann wird dir, — wenn du recht zu lesen weißt, — sein Licht das Dunkel ihrer Hallen hellen, und manche Lehre, die dir schwere Last auf deinen Schultern war, an die du nur aus Furcht vor Frevel nicht zu rühren wagtest, wird dir zu lieber Bürde werden, zu einem Kleinod, das du niemals missen möchtest. —

Woher mir mein Wissen ward, das ich dir hier gebe, wirst du in diesem Buche erfahren, — und wahrlich wird dir hier ein Wissen werden, das in Wahrheit gründet und jeder Täuschung entrückt ist!

Ich will dich deinem Glauben nicht entfremden und ehre wahrlich die frommen Gefäße der Altäre; — doch will ich deinem Glauben Inhalt geben, und unerschöpfliche Brunnen will ich erneut zum Fließen bringen.—

So nimm denn dieses Buch und lasse seine Worte dir zum Segen werden!
Wenn du manches findest, was dir zuerst noch fremd erscheint, so sei nicht vorschnell zu einer Entscheidung bereit!

Du wirst öfters lesen müssen, bis die verschütteten Schächte deines Empfindens frei werden können, — damit die lebendigen Wasser der Urgrundtiefen deines Seins empor ans Licht gelangen mögen!

Bedenke, daß viele Jahrhunderte ihre „Scherben” in deine Brunnen warfen, und daß nur du selbst allein diesen Schutt entfernen kannst. —

 

 

(Aus Das Mysterium von Golgatha pdf Seiten 5-9)




Der weise Lehrer, der da sein Land durchzieht, ist Jude und will zuerst nur von Juden verstanden sein. An dieser Wahrheit kann auch manisch-irrer Rassenhaß in aller Ewigkeit nichts ändern, wie immer man versuchen mag, den größten Sohn des Judenvolkes seinem Stamme abzusprechen!

Er muß, als Jude, aus dem Geistesschatze seines Volkes schöpfen, soll das Gut uralter Weisheit faßbar werden für die Menschen, denen er zum Lehrer werden wollte. „Den Kindern Israels” fühlt er sich ursprünglich allein gesandt, und in den Synagogen sucht er seiner Lehre Wahrheit zu erweisen „durch die Schrift”: – die alten religiösen Bücher orthodoxen Judentums.

So aber war schon, – notgedrungen, – eines ersten Irrtums Keim gelegt, indem die Hörer ihn als Lehrer ihres Glaubens zu verstehen suchten und jedes Wort, das aufrecht und gerade sie erreichte, sich nach den eigenen verschlungenen Auffassungen ihres Väterglaubens bogen.

In stetem Mühen sucht er solchem Irrtum zu begegnen, doch ist er selbst in seinem geistigen Erleben viel zu fern schon ihrer Enge, als daß er noch den Grad der „Taubheit” seiner Hörer fassen könnte.

Die Klage, daß dieses Volk ihn nicht zu „hören” wisse, ist gar oft in seiner Rede.

Er flucht dem Volke, das nur „Ohren hat um nicht zu hören”, damit es selbst in sein Verderben renne.

Und als das Ende seines Lebens, – lang schon vorgeahnt, – ihm wirklich naht, bricht all sein hoher Mut zusammen in bitterer Klage, und er – beweint Jerusalem, ( Matthäus 23:37-39 ) ( Lukas 19:41-44 ) da es in seinen Tagen nicht erkannte, was er seinem Volke bringen wollte…

Die Wenigen, die er sich dennoch aus erlesen hat, müssen oftmals harte Worte ( Johannes 6:60 ) hören um ihrer Herzensenge willen, und selten nur vertraut er ihrer Fassungskraft.

Mitunter möchte er sich selbst bereden, als ob die äußerlich so treu Ergebenen ihn doch nun wahrlich recht verstanden haben müßten, um dann, erfüllt von Schmerz und Mitleid, wiederum zu sehen, wie weit entfernt von seiner Lehre diese Herzen waren. –

So zieht er durch die Gaue Palästinas, – redet in den „Schulen”, – den ländlichen Synagogen, – um die Spur der Weisheit in den alten Schriften aufzuzeigen, – redet vor dem Volke in des Volkes Sprache, um die Herzen zu erwecken, vertraut den Freunden das Geheimnis seiner Sendung an, das sie nicht deuten können, weil sie viel zu sehr befangen sind in völkischen Messiasträumen – und wird von allen, außer jenem, „den er liebte” – nicht verstanden.

Er spricht von seinem „Vater”, und sie glauben, daß er von ihrem Stammesgotte rede, obwohl er diesem „Gott der Rache”, der „zu den Alten” sprach, mit aller Deutlichkeit den Dienst verweigert, ja dessen vermeintliches „Gebot” aus Geisteskraft vernichtend, lehrt: – „Ich aber sage euch...”
( Matthäus 5:38,44 )

Er spricht von seiner hohen Sendung, und sie wähnen, er wolle ihres Erdenreiches äußere Herrschaft neu errichten, obwohl er ihnen längst verkündet hatte, daß er eines Reiches König sei, das „nicht von dieser Erde” ( Johannes 18:36 )Macht seinen ewigen Bestand empfange.

Er spricht von dem, was in ihm „Fleisch* und Blut” geworden war und lehrt Verkörperung des Geistes,
( Johannes 6:53-54 )– doch sie verstehen, daß sein Leib, den ihm die Erde einst gegeben hatte, ihre Erdenspeise werden müsse.

Jene Armen, die er von Gebresten heilen konnte, aus der Heilungskraft, die seinem Erdenkörper eigen war und kaum die Geistigkeit berührte, die er als sein wesenhaftes Sein erkannte, – vertrauten ihm als ihrem Helfer, doch sie ahnten nicht, daß er die gleiche physische Hilfe hätte spenden können, auch wenn er geistig nicht gewesen wäre, der er war…

Will man es ihm verdenken, wenn sein Erdenhaftes einer schwachen Stunde Beute wurde, so daß er den Hosannahrufen traute, die ihm Erdenmacht versprachen, – daß ihm solche Macht verlockend nahe schien, auch wenn er sie nur den Seelen nutzbar machen wollte?! –

Hier ist die kurze Schuldverstrickung, der selbst dieses Leben nicht entgehen konnte, denn keiner, den die Erde je getragen hat, bleibt frei von Schuld!

Wohl suchte er geradezu, um seiner höchsten geistigen Aufgabe willen, den Tod durch Menschenhand, weil er in solchem Tode nur das Letzte geben konnte, was nur er zu geben hatte; – doch wahrlich war ihm dieser Tod zu früh gekommen und es bedurfte höchster Kraft, ihn willig hinzunehmen, so daß er aus tiefster Seele seinen „Vater” bitten konnte, er möge noch das Schicksal anders wenden, – „wenn es möglich” sei. –

„Vieles” glaubte er seinen Schülern einst noch sagen zu können, was sie zu jener Zeit, wie er deutlich sah, „noch nicht tragen” konnten…

Als aber ein Bote der Lichtgemeinschaft, der er angehörte, in jener angsterfüllten Nacht zu Gethsemane
( Lukas 22:43 )ihm endlich zeigte, daß sein Weg, so wie er ihn sich selbst gestaltet hatte, auch durch den „Vater” aller derer, die in dieser Lichtgemeinschaft wirken, nicht mehr abzulenken sei, – da kehrt er in sich selbst zurück um sich im Priesterkönigtum des Leuchtenden zu finden, und geht als Held den letzten, schweren Gang, belastet mit dem Holz des Kreuzesgalgens. –

An diesem Martergalgen, der dann später einem uralt-heiligen Zeichen längst vergangener ehrwürdiger Kulte neue Deutung gab, erfüllte er das letzte Liebeswerk – Geheimnis allen, die ihn dort umstanden, – und noch Geheimnis allen, außer seltenen Sehern, bis auf den heutigen Tag!
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Möge keiner wähnen, daß dieser Tod an sich dieses letzten Liebeswerkes Inhalt war!

Hier ist ein Mysterium, das ich an anderer Stelle schon, mit Scheu nur, zu enthüllen wagte, – und nur, weil Pflicht es mir gebot...


Aus: Das Buch der Liebe, pdf Seiten 19-26