VON DER EINFACHHEIT IN ALLEM EWIGEN

HORTUS CONCLUSUS

Gespräch an der Pforte
Von der Einfachheit in allem Ewigen
Vom Wechsel des Standortes und von den „Stufen”
Über Bewußtseinslagen und Leidhilfe
Vom Bewußtsein der Abgeschiedenen
Vom hohen Einsatz des Helfenden
Vom Spottbild des ewigen „Ich”
Nochmals über Wahrheit und Wirklichkeit
Von zeitlichem und ewigem Raum
Von asiatischem Religionsgut
Vom Mysterium des Morgenlandes
Über die Religionsformen
Über Zustimmung und Glaube
Von irrtümlichen Gottesbildern
Vom Sinn aller Belehrung
Wo ich nur Überbringer bin
Wem ich nichts zu sagen habe
Vom ewigen Seelenheil
Von der verzögernden Fragelust
Von zeitlicher und ewiger Seele
Was nach dem Tode bleibt
Von einem Namen und einem Notbehelf
Was man selber folgern sollte
Von arger Unterschätzung
Über die Zwangslage der Seelsorgerschaft
Wie Ewiges sich selbst „natürlich” ist
Zum Abschluß und Abschied

 

VON DER EINFACHHEIT IN ALLEM EWIGEN

 


Die Milde ewigen geistigen Lichtes wird von überreizten Nerven nicht wahrgenommen. Nur in der vorher erlangten unstörbaren heiteren Ruhe der Seele kann sich das goldweiße Licht der Gottheit irdischem Erfühlen offenbaren.
Ich darf wahrhaftig über die Art des Lebens und Erlebens im ewigen Geiste mit innerster geistiger Vollmacht sprechen, und so, wie es nur dem Selbsterfahrenden möglich ist. Gerade darum aber muß ich bekennen, daß auch im höchsten geistigen Leben, das mir jedoch als faßbares Erlebnis bewußt ist, die gleiche nüchtern klare Einfachheit und Selbstverständlichkeit herrscht, die jeder kennt, dem auch nur ein einzigesmal in seinem Erdenleben Ewiges, gleichviel in welchem Grade, zu Bewußtsein kam.
Was sich die meisten Menschen unter dem Leben des ewigen Geistes und dem menschlichen Erleben dieses geistigen Lebens vorstellen, ist derart irdisch gefärbt und derart kompliziert erdacht, daß es die sicherste — Ausschaltung wirklichen Erlebens im ewigen Geiste bewirkt. Wer aber einmal vor der unsagbaren Selbstverständlichkeit und nüchtern klaren Einfachheit geistigen Lebens und Erlebens im Tiefsten erschüttert stand, der weiß zu begreifen, weshalb ich vor allen phantastischen Vorstellungen warne, die im voraus festlegen möchten, wie Geistiges dem Irdischen sich darbieten „müsse”.

 

Ich habe wahrhaftig allem Darstellbaren ewiger substantieller Geistgestaltung ein Wahrbild in Worten erwirkt, und nur jene Gebiete der Struktur geistigen Lebens mit Schweigen umhegt, die sich jedem Vergleich, und somit jeder Erfassung in irdischer Sprache entziehen. Aber auch dieser Gebiete erhabenstes Geheimnis ist durch ihre unbeschreibliche, irdisch unvorstellbare Einfachheit geschützt: — durch das über jede Frage hinaus „Selbstverständliche” des in ihnen zu erlebenden Geschehens. Es gibt da nichts Beunruhigendes, Aufregendes, Verblüffendes, Er schreckendes oder gar „Unheimliches” zu erleben, sondern vielmehr Welten absoluter geistiger Klarheit, die jegliches Verschwommene, Fragwürdige und Ungewisse ausschließen. So ist es in allen Bereichen vollbewußten inneren, geistsubstantiellen „ewigen” Lebens und mithin auch in der ewigen Seele eines Irdischen, in der sich ein Leuchtender des Urlichtes darlebt innerhalb der Abmessungen seiner ihm zubestimmten irdischen Zeit.
Es ist jedoch der Leuchtende des Urlichtes nur darum der ewigen Seele des ihm Dargebotenen im irdischen Leben vereint, weil allein durch solche Vereinung auch allen anderen ewigen Seelen, die sich zeitlich in Erdenmenschen erleben und formen, die „Kraft aus der Höhe”: — die geistgeborene ewige Lichtesenergie — zugeleitet werden kann, deren sie zur Erreichung ihres Erwachens im ewigen Bewußtsein bedürfen. Was ich als Leuchtender des Urlichtes in Worten lehre, mag vielen zum ersten Anlaß werden, um durch ihr eigenes Nachfühlen und Mitempfinden sich allmählich für das Erwachen ihrer ewigen Seele vorzubereiten, aber vom ewigen substantiellen Geistigen her gesehen, ist mein bloßes geistiges „Dasein” innerhalb des Erdenlebens weitaus bedeutsamer als all mein bewußtes „Tun”, wobei noch zu sagen ist, daß die in Worte geformte, sichtbarlich aufnehmbar gewordene Lehre wahrlich nur den geringsten Teil dessen darstellt, was mir vom ewigen Geiste her zu bewirken obliegt.
Was aber mein bewußtes Tun — wie im Seelischen, so bei der sprachlichen Darlegung lehrenden Bekundens — am allerärgsten erschwert, ist die Diskrepanz zwischen der sich selbst immer weiter komplizierenden Kompliziertheit gehirnlich bedingten Vorstellungserzeugens und der irdisch unfaßbaren Einfachheit ewigen substantiellen geistigen Lebens. Hier ist vor allem in der sprachlichen Sphäre eine Kluft zu überbrücken, über die sich nur mit den Materialien aus der irdisch gehirnlichen Vorstellungs- und Gedankenwelt kompliziertester Trennungen die Brücke spannen läßt. Da alle Worte einer menschlichen Sprache — gleichviel welcher — ungeeignet sind um als Ausdruck oder Darstellung des Ureinfachsten dienen zu können, muß man die kompliziertesten Vorstellungen und Begriffsbilder heranholen, will man irdischem Empfindungsvermögen auf dem Umweg über die Sprache Empfindungen nahebringen, die ihm unerlebbar bleiben würden, hätte es keine Möglichkeit, sie auf seine gedanklich komplizierte Weise auszulösen. Soll solcher Brückenbau aber wirklich verbinden, was ewig getrennt zu sein scheint, dann darf nicht die Torheit begangen werden, das Material aus dem Reiche gehirnlich erwachsener Kompliziertheit, das ja nur ein Überschreiten der Kluft ermöglichen soll, durch philosophische Säuren und Scheidewässer auflösen zu wollen, denn es hält nur so lange, solange es nicht der denkerischen Auflösung unterliegt. Eine Brücke ist da, damit man über sie hinüberschreite, aber nicht um sie unter den Füßen auseinanderzunehmen!

 

Ich weiß wahrlich „ein Lied davon zu singen”, was es für einen Menschen der in der freien Ur-Einfachheit des Ewigen heimisch, und dessen psychophysischer Empfindungsorganismus aus dem ihm normalerweise irdisch entsprechenden Bindungszustande gelöst ist, seelisch bedeutet, allen den tausenderlei geradezu „höllischen” Schwingungen ausgesetzt sein zu müssen, die den Lebensraum der gegenwärtigen, an ihrer fortzeugenden Kompliziertheit fast erstikkenden abendländischen Zivilisation durchbeben. Aber die Unmöglichkeit, ewiges substantielles geistiges Leben in seiner ungeahnten Einfachheit innerhalb des Lebensraumes dieser Zivilisation anders zur Einwirkung zu bringen als durch das irdische „Mitleben” eines aus dem Urlichte Leuchtenden, legt mir — als dem in dieser Zeit dazu Geborenen — kategorisch die Pflicht des Mit-Lebens auf, der ich nie und nimmer genügen könnte, wenn ich mich — nur vereint mit meinen, mir im ewigen Geiste ewig gleichgeborenen geistigen Brüdern — von den Bereichen äußeren Lebens, denen meine europäischen und in der übrigen Welt nach europäischer Weise lebenden Mitmenschen einverwoben sind, fernhalten oder gar dauernd sondern wollte.
Wohl aber muß ich mir auch innerhalb der Bereiche dieser komplizierten — übrigens keineswegs an sich und in Bausch und Bogen, verwerflichen” — abendländischen Zivilisation dennoch eine relative Abgeschiedenheit schaffen, wenn es mir möglich werden soll, alledem geistig zu entsprechen, was mir in meinem Mitleben, zum Wohle der Mitlebenden obliegt, denn das mir Obliegende verlangt Tag um Tag seine reichlich bemessenen Stunden bedingungslos dargebotener Einsamkeit.