VON DER EHE HEHRER HEILIGKEIT

DIE EHE

Erstes Kapitel
Von der Ehe hehrer Heiligkeit

Zweites Kapitel
Von der Liebe

Drittes Kapitel
Von der Gemeinsamkeit

Viertes Kapitel
Von Leid und Freude

Fünftes Kapitel
Von Versuchung und Gefahr

Sechstes Kapitel
Vom Zwang des Alltags

Siebentes Kapitel
Vom Willen zur Einigkeit

Achtes Kapitel
Von der Vererbung des Glücks

Neuntes Kapitel
Von ewiger Verbundenheit



VON DER EHE HEHRER HEILIGKEIT




HEILIG, dreimal heilig, die Vereinigung von Weib und Mann zu eng verschmolzener Gemeinsamkeit des Erdenlebens! –

Heilig der Geschlechter Inbrunst, sich zu einen! –

Heilig das Mysterium des Zeugens und Gebarens! –

Heilig das unsichtbare Band, das längst Gewordenes vereint, auf daß es neuem Werden eine Stätte schaffe!–––

Glückselig Mann und Weib, die solches fassen, und sich in liebender Vereinung zu erkennen wissen, so wie der Ursprung alles Seins als „Mann” und „Weib” sich selbst erkennt, in ewiglicher Liebeseinung! – – –

Glückselig ist das Haus, das Gottes hehrster Tempel hier auf Erden wird, da eine wahre Ehe sich in ihm vollzieht, geschlossen vor dem Angesicht der Ewigkeit, von Menschen, die um ihres Menschtums hohe Würde
wissen! – – –

Was hier Erfüllung findet, ist geheimnisreiches Wunder, Wenigen auf dieser Welt nur kund, und denen selbst verborgen, die es wirken! – – –


Wie so unsagbar töricht klingt es meinen Ohren, – wie aller Weisheit wüstenweit entfernt, – so man mir von „Vollendung” reden möchte, dort, wo sich Mann und Weib auf ihren Lebenswegen meiden, um der vermeintlich höheren Entfaltung ihrer Seelen willen! – –

Teilgestaltung wähnt Vollendung sich zu schaffen, – jeder Ahnung bar, daß sie ihr nur erreichbar wäre in Verschmelzung mit dem anderen, einst im Geiste ihr vereinten, nur hier im Erdendasein körperlich von ihr getrennten Teil! – –

Beklagenswert vielmehr der Mann, beklagenswert das Weib auf dieser Erde, wenn es dem einen Teile hier in seinem Dasein nicht gelingt, den ihm gemäßen anderen Teil zu finden, mit dem vereint er erst ein Ganzes bilden würde, er-gänzt in dem, was seines Einzelpoles Eigenschwingung ihm nicht geben kann! – – –

Beklagenswert, wie manches Andere in dieser Erdenwelt, das gleicherweise sich behindert findet, die Entfaltung wirklich zu erreichen, zu der latent die Möglichkeit sehr wohl gegeben wäre…
Oft bietet Sehenden in solchen Fällen sich der Anschein dar, als wolle selbst Natur sich dieser armen, auf ihr unerlöstes, halbes Menschtum nur Verwiesenen erbarmen, indem sie ihre schöpferische Phantasie erregt, sich irgend ein Idol des anderen Geschlechts im Außerweltlichen zu schaffen, das den auf Erden hier vermißten Ausgleich durch den körperlichen Gegenpol, auf kümmerliche Weise dann ersetzt. – –
Wer die Geschichte der Ekstase und der Mystik kennt, wird unschwer Beispiel hier auf Beispiel häufen können…
Gewiß wird dann das so Erlebte umgedeutet und als sublimste geistige Erfahrung aufgewertet, allein, was solcherart erfahren werden kann, ist immer nur aus körperlicher Regung und Erregung zu erklären! – – –


Kein Mensch der Erde – mag er Mann sein oder Weib – der körperlich zur Ehe tauglich, und nicht durch unerbittlich hartes Schicksal oder unbehebbar schweren Grund von ihr sich ausgeschlossen sieht, wird hier auf Erden schon sein Geistiges in letzter Klarheit zu erleben fähig, solange er aus freien Stücken den realen, hier naturgegebenen Ausgleich der Geschlechter flieht! – – –

Hier ist nichts „abzuhandeln”, nichts zu drehen und zu deuteln!!

Keiner derer, die sich selbst auf Erden zu „vollenden” wähnen, und die Ehe als Behinderung im Vorwärtsschreiten, oder gar als etwas zuVermeidendes betrachten, kann sein Ziel erreichen, – sei es, daß nur verkappte Eigensucht ihn zu verblenden weiß, – sei es, daß „religiöser” Wahn ihn zu dem irren Glauben führt, – hier, wo die Gottheit sich zutiefst zu ihm herabneigt, müsse er sich vor des „Teufels” Schlingen hüten, um einer „Heiligkeit” teilhaft zu werden, die nur als tolle Ausgeburt phantastischer Asketenhirne Scheindasein genießt, und leider hier in dieser Scheinwelt wahrlich unheilbringende Verehrung fand, ja stets noch findet! –

 

 
Book 23 on the sublime holyness of marrage
 
 


Dem Wüstling wird das heiligste Mysterium des Menschen nur zum Anlaß, Nervenreiz zu schaffen, und in Befriedigung des Reizes: Lust zu suchen.
Er ist ein Verirrter, der die Würde seines Menschtums nicht erfühlt, und Heiligstes mit Schmutz besudelt! –

Verirrte aber sind nicht minder alle jene, die auf dem Wege zur Vollkommenheit vorangelangen wollen, ohne zu erkennen, daß sie des Gegenpols bedürfen, sollen sie ein Ganzes werden! –

Verirrte sind die töricht Überheblichen, die gar in ihrer Ehelosigkeit Gewähr zu haben glauben, daß sie auf dem rechten Wege seien, und die sich hoch erhaben wähnen, weil sie, – vermeintlich um des „Himmelreiches” willen, – auf der Ehe Einung mit dem anderen Geschlecht
verzichten!– – –


Wohl kann zwar auch der Ehelose seinen Weg zur Vollendung wahrlich allein durchmessen und sein höchstes Ziel auf seine Art dereinst erreichen, auch wenn ihm während seiner Erdentage niemals die Erfüllung werden kann, die nur die Ehe ihm erreichbar machen würde. – –

Stets kann er nur a1s Teil sich Teil vollendung zu erringen suchen, und wird im Erdenleben nie zu jener Klarheit kommen, die nur erreicht wird, wo der Mensch die neue Einheit eines Ganzen, – aus Männlichem und Weiblichem vereint, – in einer wahren Ehe schuf. – –

Doch wird der Ehelose dann nur sich auf seine Weise Teilvollendung schaffen können, wenn wirklich Gründe, die nicht Menschenwahnwitz erst ergrub, vor Gott die Ehelosigkeit als nicht gewollt bezeugen! – –

Weit seltener jedoch als Wahn es will, sind solche Gründe vor dem Urteil Gottes aufzufinden…

Keiner möge sich auf sie berufen, der nicht in tiefster Einkehr mit sich selbst zu Rate ging, und nicht gewiß ward, daß er Gottes Stimme, in der Stille ruhevoller Selbstversenkung, hörte! – –
Keiner aber möge andererseits Vereinigung mit einem Gegenpole anderen Geschlechts nur aus Begier erstreben, und bevor er in sich selber sich belehrt fand, daß solche Einigung nur dann ihm Heil verheißt, wenn er sich willig weiß, allein für sie die ewige Verantwortung zu tragen, – ganz einerlei, ob auch der andere Eheteil sie für sich selber tragen will, oder von solcher Pflicht nichts ahnen mag! – –


Der Irrwahn ist alt, daß: „heiraten gut” sei, „nichtheiraten” aber „besser”, – und der – vor solcher Torheit nicht geschützt – ihn erstmals aussprach, hatte wahrlich hohe Einsicht in gar manche geistige Verborgenheiten, so daß hier geistiges Gewicht von ungeheuerlicher Schwere seitdem auf den Gewissen aller Nachgeborenen lastet…

Es ist an der Zeit, daß endlich hier der Wahn des Weisen seine Macht verliere!

Es ist an der Zeit, daß endlich nun die Ehe, die man als „Sakrament”, zu deutsch: – als Mittel, seine Heiligung sich zu erwirken, –betrachtet sehen will, obwohl man Ehelosigkeit als unvergleichbar „heiligmäßiger” erklärt, der Schändung enthoben werde, die darin ausgesprochen ist, daß man: – das reife Weib, dem höchstes, heiligstes Erfüllen seines Weibtums fremd bleibt, höher stellt, als jede Frau die ihre Mutterwürde zu erlangen wußte, – den sterilen Selbstling aber, der seine Manneskraft in sich verzehrt und seines Blutes Wert der Erde raubt, im Wahn befangen, über jeden Mann zu stellen sucht, der hier auf Erden Vater neuen Lebens wurde! – – –

Es ist wahrhaftig an der Zeit, daß sich die Ehe ihres Heiligsten zu wehren wisse, wenn man den Zeugungsakt: „Befleckung” nennt, so daß man sich nicht scheut, der alten „Heiden” Wundermär zu übernehmen, um die Geburt des Gotterhabensten der Menschen, nach alter Mvthen Weise, einer „Jungfrau” zuzuschreiben, – nicht ahnend, daß die alten Mythen von der Gottgeburt im Menschenherzen tiefverhüllte Kunde geben, – der Geburt des „Gottessohnes” in der Seele, die nur der Gottesgeist befruchten kann…

Hoch aller Ehrung würdig ist wahrhaftig jene Frau, die Mutter eines Sohnes werden konnte, dessen lichte Lehre aller Welt das Heil bereiten würde, wollte man nach ihr zu handeln sich bequemen, soweit man sie noch wahrhaft kennt! –

Allein, nicht minder sollte man den Vater eines solchen Sohnes ehren, denn: wer den Sohn hier sieht, der sieht auch den, der ihn erzeugte, da Bluteserbe sich bereits im Dasein finden muß, bevor es Erbe werden kann! – – –

Hier ist die Ableugnung der Zeugung aus des Vaters Blut nur Ausdruck jener Mißachtung, die anderenortes auch die Ehelosigkeit für „heiligmäßiger” erklärt, als Ehe! – – –


Ehe” heißt mir freilich nicht: ein dumpfes, triebversklavtes Beieinanderleben, um gegenseitig seiner Sinne trübe Glut zu löschen! – –

„Ehe” heißt mir nicht die Mischung der Geschlechter, die im Kinde nur das Übel sieht, das ihre Lust bedroht! – –

„Ehe” aber ist auch nicht: die unverantwortliche Zeugung neuen Lebens, dem die Bedingungen zu segensreicher Selbstentfaltung nicht gegeben werden können! – – –


Wahrhaftig: es gibt auf dieser Erde keinen Lebenszustand, der mehr Beherrschung seiner selbst, mehr Mitempfinden mit dem Anderen, mehr Verantwortungsbewußtsein fordern würde, als die rechte Ehe! – – –

Nur, wer hier alle hohe Forderung erfüllt, darf hoffen, daß er auch das Glück der Ehe finde, das doch so viele suchen, und so wenige erfahren, da es die allermeisten heischend – als ihr „gutes Recht” – erlangbar glauben, statt einzusehen, daß es der Mensch – wie alles Glück – sich selber auferbauen, sich selber schaffen muß! – – –


In diesem Buche wird nunmehr von dem die Rede sein, was wahre Ehe ist, und was sie fordert.

Ich werde zeigen, daß es zwar unbeirrbare Bereitschaft, geschulten Willen und erzogene Kraft verlangt, die Ehe, wie sie sein muß, aufzurichten, – daß es jedoch viel leichter ist, die wahrhaft gute Ehe und ihr Glück zu schaffen, als die vielen unglücklichen Ehen glauben machen möchten…

Für alle, die noch vor der Ehe stehen, möge das Folgende zur Vorbereitung dienen.

Die längst in einer Ehe leben, sei sie nun glücklich, oder getrübt, – mögen aus meinen Worten wählen, was ihnen noch nützen kann!

Wer aber vor der furchtbar ernsten Frage keinen Ausweg sieht, ob er die Ehe, die er einst in froher Glückserhoffung schloß, nun lösen soll, da alle Glückes-Möglichkeit ihr längst erstorben scheint, der frage sich nach der Leetüre dieses Buches, ob er zu solcher Lösung wirklich sich berechtigt weiß, und ob er die Verantwortung dafür auch vor dem Angesicht der Ewigkeit noch tragen will?! – – –

Gewiß soll unrettbar Zerrüttetes nicht jedem neuen Glück im Lichte stehen bleiben!

Gewiß soll man in einem Lebensbunde, der Enttäuschung an Enttäuschung reihte, und nun Tag für Tag nur Gram und Unheil schafft, nicht bis zum letzten Fluch verharren!

Allein: – gar manche Ehe wurde unter Menschen schon gelöst, obwohl sie keineswegs vor Gott die Schäden zeigte, die zur Lösung die Berechtigung gegeben hätten…
Gar oftmals hätte ernster Neubeginn der Ehe, auch zu neuem und nun dauerbaren Glück den Grund gelegt, wären nicht vorschnell alle Brücken zueinander abgebrochen worden, da man bereits nach neuem Glück an eines anderen Menschen PDF Seite schielte. – – –

Wer da hören will, und fühlt, daß es ihn angeht, – möge hören!

Der aber der Ehe fernbleiben muß, – sei es nun Schicksal, daß sie ihm ver sagt bleibt, oder werde er durch Pflicht gezwungen, ehelos zu bleiben, weil er Verantwortung für eine Ehe niemals tragen könnte, – – der lege dieses Buch zur PDF Seite, denn nicht für ihn ist es geschrieben worden! –

Ich schreibe hier für Menschen, die durch keinen unabänderlichen und vor Gott gegebenen Grund behindert werden, die Vollendung in der Einheit einer Ehe zu erstreben. –

Nur diesen gilt, was hier zu Worte wird!


Wohl sind mir auch die Truggespenster irren Fühlens sehr bekannt, die an dem Heiligtum der Ehe rütteln wie an altersgrauen Mauern, die man stürzen müsse, wolle man den Weg zur Freiheit finden.

Hier aber ist nicht eindringlich genug zu warnen, vor verhängnisvoller Täuschung!

Aus wilder Herdengemeinschaft, in der sich – kurz und derb gesprochen – jedes Weib noch jedem Mann ergeben mußte, der es zu bezwingen fähig war, führte unsagbar weiter Weg den Erdenmenschen endlich zu dem hohen Tempel in der Geisteswelt, der einen Mann dem einen Weibe eint. – – –

Die Tierheit ward dem Geiste Untertan, auch wenn sie sich noch immer sträuben mag, ihm willig zu gehorchen.

Und wenn es auch noch heute Millionen gibt, die nicht auf solcher Stufe stehen, – wenn auch noch ganze Völker in dem Weibe einzig die Gebärerin und das Gefäß der Lust erblicken, oder gar das Arbeitstier, das man erhandelt wie das liebe Vieh, so daß die Anzahl Frauen, die der Mann „besitzt”, zum Zeugnis seines Reichtums wird, wie seine Herden auf der Weide, – so ward auf höherer Stufe doch auch längst erkannt, daß nur die Ehe, die das eine Weib dem einen Mann verbindet, geistig-göttlichem Gesetz entspricht. – –

Wehe denen, die in unbezähmter Gier die eigene Ehe unterwühlen, – nicht fähig, einen Menschen anderen Geschlechts zu sehen, ohne seiner zu begehren! – –

Man nenne es nicht „Zufall”, sondern fühle einen Willen hier am Werke, wenn die von jeder anderen Geschlechtsvermischung sorglichst reingehaltene Ehe, aus dem Geschlechtsverkehr her, unerreichbar bleibt für jene fürchterliche Seuche, die aus kurzer Augenblicke unbezähmter Lustgier: Fluch und Unheil über Generationen bringt! – – –

Hier zeigt Natur mit aller Deutlichkeit, was sie, auch schon von sich aus, von dem Erdenmenschen dieser Tage fordert!
Wer es auch sei, und welche Gründe ihn bestimmen mögen, – : der Mensch, der an der Ehe, die das eine Weib dem einen Mann verbindet, freventlich zu rütteln wagt, indem er solcher Ehe Bindung und Verpflichtung nicht beachtet, ladet schwerste Schuld auf sich: versündigt sich an aller Erdenmenschheit, und schafft kosmische Verwirrung, – – ganz abgesehen von der ungeheuerlichen Schändung eines Tempels, der dort, wo eine Ehe sich vollzieht, im reinen, wesenhaften Geiste aufgerichtet wurde! – – –

Nur hohe Gnade kann den so mit Frevelschuldbeladenen Verbrecher an der Ehe noch entsühnen, und nur: wenn selber er die Sühne sucht! –

Doch, nicht viel kleiner ist auch jene Schuld, die jeder auf sich bürdet, der sich vermißt, hier eine Form zu sprengen, die ihm „überlebt” erscheint, da er sie nicht mit wahrem Leben zu erfüllen
weiß! – –

Vergeblich bleibt auf dieser Erde alles Streben, etwa eine neue, bessere Form der Einung der Geschlechter zu gestalten, denn: – was die Menschheit in der Ehe eines Mannes mit dem einen Weibe zu erringen wußte, gründet in der Gottheit innerster Gestaltung! – – –

Wer hier zerstören will, was hohe Einsicht auferbaute, der ist sich nicht der Folge seines Tuns bewußt! – – –

Ein Sanktuarium des Geistes würde so vernichtet, an dem Jahrtausende die Weisesten der Erde bauen sahen! – – –

Es müßten kommende Jahrtausende vergehen, sollte es dereinst erneut errichtet werden, so dies möglich wäre, läge es in seinen Trümmern! – – – –