DER RUF DES GEISTES

DAS HOHE ZIEL

Der Ruf des Geistes.
Die zwei Wege.
Vom Suchen und Finden.
Vom ewigen Lichte.
Von des Lichtes Farben.
Vom hohen Ziele.
Von den Wegen der Alten.
Vom Segen der Arbeit.
Von der Macht der Liebe.
Der Meister von Nazareth.

 


DER RUF DES GEISTES

 

Es war nicht klügliches Ersinnen, was die alten Weisen immer wieder zu der Mahnung drängte, den Geist in der Stille zu suchen, bei «verschlossenen Türen» des Geistes Ruf zu erwarten. –
Was dann im Inneren vernommen werden kann, wird nur der Seele hörbar sein, und fühlend nur wird sie vernehmen können, was niemals sich in Worte einer Menschensprache fassen läßt...
Wohl dem, der solcherart fühlend zu hören weiß!

Nicht allen wird es gegeben sein, den Ruf des Geistes sogleich zu vernehmen.
Sie werden oft lange im «Gebete» verharren müssen, ehe ihr Inneres also aufgetan wird, daß sie in sich selbst den Ruf erfassen...

 

 

Wie fernes Saitenspiel nur das geschärfte, kundige Ohr die Melodie erkennen läßt, indessen es anderen Ohren nur undeutbares Klingen bleibt, so wird der sanfte Ruf des Geistes nur von denen vernommen, die ihr inneres Gehör zu schärfen wußten und die Seele geistiger Dinge also kundig werden ließen, daß sie auch deuten kann, was ihrem Hören klingt. – – –


High Goal
 


Im Lärm des überlauten Tages taub geworden, irrt so mancher durch die Wüste, – harrend des Rufes, der ihn erreichen könne, und seiner Taubheit nicht bewußt.
Vergeblich wird der Ruf des Geistes ihn zu bewegen suchen...
Erst muß der Lärmbetörte seiner Taubheit inne werden, um dann in der Stille wieder sein Gehör zu erlangen.
Erreicht dann wieder Geistiges sein Ohr, dann wird er lernen müssen, sich dem Lärm der Außenwelt beharrlich zu verschließen und dennoch nicht vor ihm zu fliehen. –
Was immer ihn umgeben mag, – stets muß er sich selbst in der Stille erhalten!
Der Lärm des Tages darf nicht in sein Inneres dringen, auch wenn er sein Äußeres mit aller Macht umtost. –


Wer den Ruf des Geistes hören will, muß sein Gehör allein nach Innen kehren.
Nur in seinem Inneren wird er vernehmen lernen können, was nie zu Worte ward...
Lärm und Getöse wird ihn nicht betäuben, wenn er im Inneren zu hören weiß!
Inmitten der Außenwelt, die ihn umbrandet, wird er sich selbst eine Insel der Stille sein.
Der Wogen Toben und des Sturmes Heulen wird er überhören lernen, und aus der Stille in ihm selbst wird ihm des Geistes hoher Ruf erklingen!


Durch Tat und Wirken wird die Stille nicht gestört, die hier vonnöten ist!
Nicht dort, wo nur des Todes Stille herrscht, kann je der Ruf vernommen werden!
Nur wo das Leben seine Wogen wirft, wird auch die innere Stille noch voll des Lebens sein, aus dem der Geist das Geistige im Menschen zeugen kann.
Nur solche Geisteszeugung hört den Ruf des Geistes! Durch sie nur kann dem Menschen Wissen werden – um sich selbst! – – –
Wer anders je sich selbst bei «Namen» nennen hören will, wird stets vergeblich warten können...
Der Ruf, den er ersehnt, kann nur von Innen kommen, wenn das Innerste bereits erwachte durch des Geistes zeugende Gewalt, die in der Stille nur zur Wirkung kommt. Nur aus dem Innersten des Innern läßt sich Geistiges vernehmen!


Die Lehre, die von außen her gegeben wird, soll dir nur zur Vorbereitung dienen.
Sie soll dein Inneres des Geistes kundig werden lassen, damit dereinst der Ruf aus deinem Allerinnersten dir faßbar werden kann.
Die Lehre wird dir immer nur vom Geiste zu sagen wissen, was sich sagen läßt. Des Geistes Wirklichkeit kann dir jedoch nur nahen im Erleben!
Du kannst des Geistes Leben anders nicht erfassen, als durch Innewerden. – – –
So kehre dich denn mit aller Kraft deinem Inneren zu und bitte den Geist in dir selbst, daß er dein Allerinnerstes erwecken möge!
Verharre in solchem «Gebete», bis du Erhörung findest!
Erhalte dich in der Stille und in sicherer Zuversicht!
Selbst dein «Gebet» darf nicht die Stille stören! –
Noch weniger aber darfst du heischen und fordern, was sich dir von selbst ergibt, sobald dein Inneres durch die Stille bereitet ist. –

 


Erwarte in heiterer Ruhe deinen Tag! Sei tätig mit all deinen äußeren Kräften in der Außenwelt, doch lasse das Tabernakel deines Innern niemals durch die Sorgen dieser Außenwelt entweihen! In deinem Innern mußt du, unbeirrt durch die äußeren Stürme, stets die Stille bewahren!
Kein Geräusch der Außenwelt darf dieses Innere in dir erreichen!
So wirst du dereinst – an deinem Tage – deine tiefste Tiefe ergründen und zu deiner höchsten Höhe erhoben werden!
So wirst du dereinst den Ruf des Geistes in dir selbst vernehmen und dich selbst im Geiste erkennen! –
Im Leben des Geistes wirst du dann selbst dich im ewigen Leben finden!

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