ANRUF

WORTE DES LEBENS

Anruf.
Ich.
Einkehr.
Liebe.
Tat.
Kampf.
Friede.
Kraft.
Leben.
Licht.
Vertrauen.
Erleuchtung.
Gelöbnis.


ANRUF

Nach mir zu suchen bist du ausgezogen und klagend fragst du, wo man mich finde! –
Ich aber frage dich, warum du bis zum heutigen Tage mich noch nicht gefunden hast? –
Siehe mein Sehen und mein Hören habe ich dir gegeben und meine Sprache liegt in deinem Munde!
Warum verstummst du vor mir, da ich dich reden heisse, während du doch zu reden weisst, wo Schweigen dir allein die Offenbarung bringen könnte? – –
Du redest vor tauben Ohren hohle Worte und bist berauscht durch deiner Sinne täuschendes Erkennen, so dass dir meine Sprache fremd, und dunkel mein Wort erscheint.
Dennoch wirst du mir einstens Antwort formen müssen in meiner Sprache, so wie ich sie gab deinem Munde als ich dich aus mir entliess…
Noch suchst du in kunstreicher Rede Versteck vor mir, aber wisse, dass ich dir nahe bin wie das Licht der Leuchte, und dass du dich niemals vor mir verbergen kannst, obwohl dein Auge mich nicht sieht, solange du dich blenden lässt durch deine eigene Torheit! – –
Was will ich anderes von dir, als dass du mich findest, und wahrlich: leicht lasse ich mich
finden! – – –
Ich weiss, dass du mich suchst, auch wenn du irre Wege wandelst und vorgibst Anderes zu suchen…
Der Tor sucht nach mir, wie der Weise, und des Toren Suchen ist nur deshalb töricht, weil er sich selbst den Weg zu mir erschwert, während der Weise kein anderes Bemühen kennt, als sich seinen Weg zu erleichtern. – –
Alle Last wirft er von sich, Kleid und Wanderstab, damit er mich nackt, wie ihn seiner Mutter Schoss gebar, erreiche…
Du aber schmückst dich mit brokatenen Gewändern, legst Perlengeschmeide, goldene Schmuckstücke an und bindest um deine Füsse schwere, goldene Sandalen. –
Dann sinnst du lange nach und forschest nach dem weitesten Wege, da nur der weiteste Weg dir der rechte scheint um zu mir zu finden.
Bedrückt durch alles was dich nur beschweren kann, wanderst du endlose Strecken, um dann ermattet liegen zu bleiben bis dein hoher Mut sich in Verzweiflung kehrt. – – –
Siehe, du wirst mich auf solche Weise niemals finden!
Du suchst die Ferne, während ich dir näher bin als dein eigener Leib, den du mit Schmuck beladen mir entgegenzuführen trachtest, da ich doch deines Schmuckes wahrlich nicht achten kann und deiner Gewänder Blendwerk mich dir nur verbirgt! – –
Lass ruhen alle erborgte Rede, damit in Deinem Munde meine Sprache sei!
Bleibe, wo du dich heute finden magst und löse alle Last von dir!
Nackt und ohne Geschmeide gehe in dein Allerinnerstes ein und lerne schweigen bis dir meine Sprache wiederkommt um mich dir zu künden! – – –
Ich liebte dich in mir selber, da du bei mir warst von Ewigkeit her und ich liebe dich, auch wenn du mich verlassen hast!
Nicht ich bin es, der sich vor dir verbirgt, sondern du selber suchst, dich vor mir zu verstecken!
Du lässt deinen Blick ins Leere schweifen, wähnend, mich dort etwa zu finden, und brauchtest dich nur zu dir selbst zu kehren um bei mir zu sein! – – –
Du weisst noch nicht, dass du dich vor mir versteckst, wenn du vor dir selber dich zu verbergen suchst in schweren Prunkgewändern, um mir zu nahen!
Du weisst nicht, dass ich selbst mich dir gegeben habe und dass du alles nur in dir selber findest, was du noch aussen suchst!
Siehe, die Schätze aller Welten sind wie Staub vor dem Kleinod, das du in dir selber birgst! – – – – –

 

 

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