Inferno

PSALMEN

Inferno.
Erlösung.
Erkenntnis.
Verheißung.
Befreiung.
Erfüllung.


Inferno

DUNKEL ist um mich her und grauenvolle Finsternis!
Wo finde ich Licht?!?
Wo finde ich auch nur einen Strahl des Lichtes?!?
Wo zeigt sich mir auch nur das fernste Leuchten?!?

Ach, ich bin eingeschlossen in Dunkelheit und es ist kein Weg zu finden der mich aus der Düsternis zum Lichte fuhren könnte!


*

Gibt es denn „Licht”??!…


*

Höllische Antwort nur wird mir auf meine Frage und weiß mir zu sagen:
„Du eitler Tor!”
Der Finsternis entsprossen und dazu geboren, eine kurze Spanne Zeit in Finsternis dein Spiel zu treiben: – bemerkst du noch nicht, daß auch dein Traum vom Lichte nur ein Gaukelspiel deiner Wünsche ist!? –
Spreize und strecke dich soviel du magst, aber wähne nicht, daß es dir vorbehalten sei das Licht zu finden!”

 

*

Ach, so ist denn Lüge das Licht??…
So ist denn Lüge alle Hoffnung einst das Licht zu finden??…
So ist denn Lüge in mir selbst was mich zum Lichte zog???…


*

Fluch dieser Lüge die mich höhnisch narrte!!
Fluch diesem Wahn der Torheit, der mich erreichbar wähnen ließ, was niemals zu erreichen ist!!!
Lange genug war ich nun meines Wähnens gequälter Sklave!
Mögen mir alle ferne bleiben hinfort die mir noch vom „Lichte” reden wollen!
Ich will weiser sein als sie, die noch den Traum von der Erfüllung ihres Wunsches träumen! – –
Erwacht bin ich endlich aus solchem Träumen und weiß mich als Geburt der Finsternis in kurzem Dasein, bis mich die Finsternis verschlingt!…
Erstorben sei mir die Klage über mein Los!
Nicht mehr will ich der Finsternis mich zu entwinden suchen!
Ich will mich hinfort in alle dunkelwarme Wollust stürzen die mir die Finsternis gewähren mag!
Gepriesen seiest du, düstere Nacht der Nichterkenntnis, die du meinem Auge gütig zu verbergen weißt, was mich fürder schrecken könnte!…
In der Finsternis aus der ich stamme, will ich mir mein wohlumhegtes Dunkeldasein schaffen, das mir kein Traum vom Lichte stören soll!…

 

 
Book 22 Inferno
 
 


*

Aber noch während ich fluche allem Lichte und mich selbst der Finsternis gelobe, irrt meine Worte eine andere Stimme die in mir reden will…
Mich aber soll sie nicht äffen können!
Ich fühle: – sie will mich mit irgendeiner Torheit dazu verleiten, daß ich, der ich endlich völlig finster wurde, mein Gelöbnis breche, das ich der Finsternis schwur.



*

Ich will sie dennoch hören, diese Stimme, um sie am Ende ihrer Rede zu verlachen!

Ich will mich selbst an ihr erproben und mir selbst vor ihr beweisen, daß ich nun nicht mehr zu betören bin!…
So möge sie denn reden!
Ich höre!…


*

Ach, was ich höre ist mir nur zu sehr vertraut!
Schon zum Voraus muß ich diese Stimme verlachen! Sie redet mir von frühen Tagen: – von der holden Zeit der frommen Jugendgaukelbilder, da man mir einst von einem sprach, der selbst „die Liebe” sei… Ihn, den kein Name würdig nennen könne, will sie mir wieder ins Gedächtnis rufen, das ihn gern vergessen hat…
O Torheit über Torheit!


*

Und dennoch fesselt mich hier eines das ich nicht enträtseln kann. –
Ein unerfaßliches Fühlen will mich wieder in mir selbst erregen, – das ich einst fühlte, als ich ihm, von dem sie sagten, daß er selbst die Liebe sei, zu nahen suchte in der Liebe…
Wie soll ich mir dieses Fühlen deuten, das so mir wiederkehren will, nachdem ich längst ihm entsagte um der Erkenntnis willen?! –
Ach, bin ich verdammt ein Tor zu bleiben, der sich, in seinen Schlüssen eingeschlossen, stets im Kreise drehen muß!!? – –
Eben noch habe ich meiner Erkenntnis reifste Frucht gepflückt, und nun schon faßt mich dieses Unerfaßliche und will die Frucht, bevor ich sie genießen konnte, mir entwinden…
Soll ich von neuem zweifeln, der ich eben noch Gewißheit mir errungen glaubte?!?

Es ist nur schaurige Gewißheit, und dennoch dünkte sie mir besser als der Zweifel. – –
Was aber kann mir dieses Fühlen bringen??
Als der Erkenntnis reife Frucht ward mir Gewißheit, daß mir allein die Finsternis gegeben bleibt, und daß nichts anderes mir werden kann, da ich ja selbst der Finsternis entstamme…
Doch dieses Fühlen, dem ich lange mich entwunden glaubte, macht mich nun an mir selber irre. –
Es ist von anderer Art als die Finsternis, der ich mich eben noch verschworen habe…
O, daß ich zu erkennen wüßte, was aus ihm zu erkennen ist, auch wenn es Ammenmärchen nur entstammt von alters her! –
So sehr ich aber es auch lästern mag: – es läßt sich nicht verscheuchen. –
So sehr ich auch mit meiner Erkenntnis Waffen ihm zuleibe gehe: – es läßt sich nicht ertöten. –
Wenn die Finsternis alles wäre, was mir gegeben ist, – wie könnte sich dieses Fühlen in mir finden?? –
Dieses Fühlen, wie ich es zu fühlen wußte, einstmals, wenn ich an ihn dachte, den ich glaubte, – von dem man einst mir zu sagen wußte, daß er „die Liebe” sei…


*

Ach, hätte ich doch dieser Stimme, die nun mich aufs neue in Zweifel stürzt, kein Gehör gegeben!!
Allzufrühe habe ich sie verlacht!
Allzufrühe habe ich ihrer gespottet!


*

Oder – – sollte sie mir denn wirklich etwas zu sagen haben, das all mein Erkennen mir nicht sagen konnte?? – – –
Um der Gewißheit in der Finsternis willen habe ich dem Suchen nach Licht entsagt…
Ist dieses Fühlen denn etwa Besseres als solche Gewißheit?!…
Es ist nicht Finsternis und gleichwohl kann ich es als Licht nicht gelten lassen. – –
Licht müßte mir in der Erkenntnis werden, wenn Licht für mich zu finden wäre! – – – –
Dennoch erschüttert mich schon der Gedanke, daß dies erneute Fühlen vielleicht zum Lichte leiten könnte…


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Ich fühle bereits: – ich ahne, daß ich der Wahrheit nahe bin…


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Wahrhaftig!…
„Aller Lichterkenntnis Mutter ist die Liebe!” – – –
So spricht es in mir…


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Ich bin verloren!!
Taumelnd stürze ich zu Boden.
Verflucht bin ich, der ich dem Lichte fluchte!…
Ich selber habe mich gerichtet!…


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Verruchte Stunde, die mich eben noch in lästerlichem Wort dem Lichte entsagen ließ!!


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Noch eben ein Lästerer, fühle ich nun, – noch eben Frevler, ahne ich jetzt, daß nur in der Liebe das Licht errungen werden kannl!


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O törichtstolze Gewißheit, mit der ich vordem zu erkennen glaubte!!!


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Wahrlich: – gewiß wird mir nun, obwohl ich es nur ahnend erfühle, daß alle Scheingewißheit des Erkennens recht eitler Schlüsse klüglich verbrämte Torheit ist, so das Erkennen nicht in der Liebe gründet, die allein Gewißheit geben kann!!

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Dir fluchte ich, du ewiges Licht, weil du dich jeglicher Erkenntnis zu verhüllen weißt die nicht aus der Liebe geboren wurde!…
Wirst du den Frevel mir vergeben können??


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Siehe ich liege am Boden wie ein Baum den der Sturmwind fällte!
Wer wird mich wieder erheben und aufrecht wurzeln lassen, außer dir, der du die Liebe bist!?
Befreie mich, du Ewiger, wenn meine Zunge mir nicht selbst mein Urteil sprach, aus dieser Höllen finsternis, die mich umgibt!
Du, den ich nun ahne, den ich nun fühle, – der selbst die Liebe ist, – wie könntest du mich verstoßen, den du nun in der Liebe findest!!
All - Liebender errette den, der mit Frevel seinen Mund besudelte, aus dieser Finsternis!!!


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