DAS WERK DES MENSCHEN

KULTMAGIE UND MYTHOS

Vorbemerkung
1. Das Werk des Menschen.
2. Mythos und Wirklichkeit.
3. Mythos und Kult.
4. Kult als Magie.
5. Magie und Erkenntnis.
6. Das innere Licht.
7. Die Folgerung




DAS WERK DES MENSCHEN

 

Ich kenne Größeres nicht auf dieser Erde als das Geisteswerk des Menschen!
Insonderheit dort, wo es ihm selbst zu groß erscheint, so daß er sich Götter schafft nach seinem Bilde, muß ich des Menschen geistiges Werk bewundern! Nie kann es mir an hohem Werte verlieren, so man mir sagt: – «Nun endlich haben wir erkannt, daß dieses Geisteswerk, das wir als Göttertat verehrten, in Wahrheit vom Menschen stammt.»
Ich weiß, daß alles Geistige auf dieser Erde stets des Menschen bedarf, soll es für Menschen in Erscheinung treten und vernehmbar werden…
Ja, auch des Menschen selbstgeschaffene Götter weiß ich noch zu ehren um seinetwillen!
Sein Bestes sehe ich in ihnen dargestellt!
Seine eigene Größe zeigen mir seines Geistes Geschöpfe, die er über sich selbst emporhob, um ihnen zu dienen…
Seiner eigenen Hoheit Bild schuf er, sich vor ihm zu beugen…

 


So ist mir auch mancher hohe Kult und solchen Kultes weiser Mythos noch heilig um des Menschen willen: – als ein Werk des Menschen.
Der Mythos zeigt mir den Menschen in göttlichem Bilde. –
Im Kulte sehe ich ihn das Göttliche in sich selbst verehren, – benannt mit dem Namen des Gottes, den er sich selber schuf. –


book 16 the work of man

 

Wahrlich: du denkst gar gering von dir selbst, wenn du des Menschen Werk in jenen Höhen da er sich Götter, Mythos und Kult erschuf, verachten zu dürfen glaubst! Noch bist du dir selber fremd, wenn du des Geistes Darstellung auf dieser Erde suchst und dennoch verschmähen willst, was als das Werk des Menschen sich in solcher Darstellung bekennen muß!


Unmündigen mußten die Weisen der Alten weislich verbergen, daß sie selbst gestaltet hatten, was sie als der Götter Wort verkündeten.
Die aber der Gottheit Stimme in sich selbst vernommen hatten, mußten Götter erschaffen, sollte das Wort in ihnen sie nicht selbst erschrecken!
So ward die Sprache ihres Mundes ihnen selbst schon Bild und Gleichnis, und jene Anderen, die sie vernahmen, ließen Bild und Gleichnis bilderzeugend weiter in sich wirken. –
Hohe Wissende aber, die da erkannten, was des Menschen geistige Kraft vermag, schufen dem Mythos den Kult, – schufen die hohen Formen magischen Wirkens, die verborgen hinter Bild und Gleichnis, des Menschen geheimste Macht ihm dienstbar werden ließen.
Vieles davon ist heute verschüttet, nachdem es Jahrtausende hindurch einst des Menschen heiligster Besitz gewesen war.
Vieles ist heute noch im Wirken, doch wird es von denen, die seiner pflegen, kaum mehr erkannt.


Die aber allen Kult verachten, da sie bei der Genesis des Mythos der ihn trägt, den Menschen am Werke fanden, sind des irren Glaubens, letzte Erkenntnis entschleiere Mythos und Kult als Gebilde törichten Wahns.
Sie ahnen nicht, daß hier der Wissende zu ehren weiß, was sie mißachten!
Sie ahnen nicht, daß sie über Tempelfundamente schreiten, in deren Mauern köstliche Kleinodien noch des Finders harren!
Sie haben den Menschen erkannt, wo sie ehedem Götter am Werke glaubten, – so dünkt ihnen wertlos nun und verächtlich, was sie ehedem verehrten.
Nur Seltene erfühlen in sich selbst, zu welcher Höhe sich das Werk des Menschen erheben kann.
Sie allein noch kennen die Ehrfurcht vor dem Werke, das der Mensch der Vergangen heit schuf.
Sie wissen, daß keine große Kultur bestand, die nicht auf einem Kulte sich erhoben hätte, der seine Tragkraft einem Mythos dankte.
Sie wissen, daß Kult und Mythos sich nicht schaffen lassen als ein Werk der Willkür und darum ehren sie, was aus den Tiefen schöpferischer Kraft des Menschen dermaleinst ins Dasein trat.
Noch keiner hat die tiefsten Tiefen der Quelle dieser Kraft ermessen!
Wer aber ahnend in sich selber sucht, der wird alsbald erkennen, daß er nur sich selber lästert, wenn er das Werk der alten Weisen schmäht…
Erschauernd wird er vor dem Werk des Menschen stehen, das ihm die Gottheit offenbart! –



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