die kunst des lebens

GEIST UND FORM

Die Frage.
Außen und Innen.
Wohnstatt und Werk.
Die Form der Freude.
Des Leides Form.
Die Kunst des Lebens.






 

DIE KUNST DES LEBENS

 

Willst du den Weg durchschreiten, den ich in so mancher Rede dir in anderen Büchern schon zu beschreiben wusste, als einer, der ihn kennt, – den Weg, der zum Lichte in dir selber führt, dann wirst du manchem Wahn entsagen müssen! – –
Vor allem aber dem Wahne, dass dein Erdenleben nun einmal «Bestimmung» sei und so durchlebt werden müsse, wie es gerade kommen mag! – –
Wer so sein Erdenleben durchlebt, ist einem Baumeister gleich, der ohne jeden Plan und Grundriss Erde ausheben lassen würde um dann zu bauen, wie immer es werden möge, bis ihn der letzte Stein am Weiterbauen hinderte. –
Wohl möglich, dass ihm sein wilder Bau gelänge und ein abstruses Gebilde so zustande käme.

 

Weit eher aber dürfte die Voraussicht Recht behalten, dass eines Tages über seinem Kopf zusammenstürzen müsse, was er in planlos törichtem Tun aufeinandertürmte. – –
Sei du nicht einem solchen Toren gleich!

Was du dein Erdenleben nennst, ist rohes Material, das allerdings, so wie du es auf Erden fandest, dir gegeben ist und an dem du fast nichts oder wenig nur ändern kannst.
In deine Hand jedoch ist es allein gegeben, was du in geistiger Form aus ihm erbauen wirst, und keine Macht der Erde wird dich hindern können so zu bauen, wie es der «Grundriss», den deine Seele sieht, von dir verlangt. –
Du wirst mir entgegnen wollen, dass doch vieles nicht in deine Hand gegeben sei: – dass dich in vielen Dingen Andere behindern könnten, – ja, dass die Aussenwelt dir deinen ganzen Bau in Stücke schlagen könne.
Ach, lieber Freund, solange du noch solche Rede führst, hast du noch nicht erkannt, wovon ich zu dir spreche!…
Dein äusseres Bauen ist wahrhaftig nicht durch dich allein bestimmt, und deine schönsten Aussenmauern kann man stürzen ehedenn du die Kuppel wölben konntest über deinen stolzen
Bau!! – – –
Dein geistiges Bauen aber kannst nur du selber stören oder durch Andere stören lassen, denen du solche Störung erlaubst! – – –

Es ist die Rede hier von dem Kunstwerk, zu dem dein geistiges Leben werden soll!
Dein Erdendasein schafft dir täglich neues Material aus dem du dein geistiges Leben kunstvoll auferbauen kannst!
Nie wird es dir an «Steinen» und «Bauholz» fehlen!

 
book 25 the art of living


An dir aber wird es sein, das rohe Material in solcher Weise zu bearbeiten, dass es sich dem erhabenen Grundriss anpasst, den deine Seele in sich selber findet, in ihrem innersten Schrein! –
An dir wird es sein, den rechten «Mörtel» zu bereiten, der Baustein an Baustein bindet!
An dir wird es sein, die «Balken» so zu fügen, dass sie tragen können!
Du wirst nichts von dem verachten dürfen, was dir dein Erdendasein alltäglich zuführen mag!
Es ist alles zu deinem geistigen Bau auf irgend eine Weise vonnöten und wird gute Dienste tun, so es nur erst durch dich die baugerechte Formung fand! – – –
Jedoch kann nichts deinem geistigen Bau sich einen, das nicht zuvor bearbeitet ist und in geistiger Weise vorgestaltet! –
Was immer der Alltag dir bringen mag: – stets frage dich selbst, wie es alsbald zu formen ist um deinem geistigen Tempelbau zu dienen!
Alsdann aber gehe sogleich ans Werk und raste nicht eher, als bis das Rohe seine rechte Form erhielt! –
Je mehr du in solchem weisen Werk dich üben wirst, desto leichter wird es dir werden!
Was du noch heute kaum möglich erscheint, wird dir gar bald schon mit geringer Mühe gelingen!
Nur musst du Ausdauer zeigen bei solchem Werk!
Du darfst nicht etwa heute begeistert beginnen und dann nach wenigen Tagen schon das Meiste liegen lassen! –
Was du nicht verarbeitet hast, wird dir dann im Wege liegen, und so wirst du selbst dich sehr behindern, auch wenn du zu späterer Zeit aufs neue beginnen willst! – –

Noch heute, da du meine Worte vernimmst, suche in deiner Seele innerem Schrein den Bauplan hervor!
Er ist dort wohlverwahrt und du wirst ihn finden, wenn du mit aller Ruhe sicherer Gewissheit suchst!
Kein hastiges Stöbern wird ihn zutage fördern!
Hast du ihn aber gefunden, dann gehe alsbald ans Werk und bleibe deinem Werke treu!
Du wirst den Bauplan erst beim Bauen selbst verstehen lernen, und so es dann nötig wird, wirst du auch die Einzelpläne finden, die dir heute noch nichts nützen könnten!
Allmählich wird deine formende Kraft erstarken und du wirst zum Künstler werden an deinem Werk!
Dir kann keine «Schulung» ersetzen, was dich das Werk allein zu lehren weiss! – –
Noch bist du nicht entfaltet und weisst selbst noch nicht, was in dir sich verbirgt!
Du hast zu dir selbst noch kein Vertrauen und möchtest Plan und Arbeitslehre lieber von Anderen empfangen!
Doch, dein Vertrauen wird dir werden, wenn du erst sehen wirst, was du in dir trägst! –
An deiner eigenen Arbeit nur nach dem in dir verborgenen Plan wird es mählich wachsen, und dann wirst du erkennen, dass du geholfen wurde weil du dir selbst vertrautest, auch wenn du nur die Hilfe und noch nicht die Helfer gewahrst! – – –
Nur solche geistige Hilfe kann dir von Nutzen sein! –
Alles was man dir von aussen her sagt, kann dich nur aus deinem Schlafe zur Arbeit wecken, – kann dir Anstoss werden, mit deinem besten Tun zu beginnen! – –
Die Hilfe aber, die du dann bei deinem Werke brauchst, darf dir nur auf geistige Weise in deinem Innern werden, so sie dir wirklich Beistand leisten soll! – – –
Auch wenn du in der Aussenwelt aller Kunst sehr ferne stehst, ist doch in deinem Innersten ein Künstlertum in du beschlossen, das nur an deinem Werke geistig sich entfalten kann!
Hier in deinem Innersten, wird man dich zu hoher Kunst zu leiten wissen: – zur Kunst, dein geistiges Leben zu gestalten nach des ewigen Geistes innewohnendem Gesetz! – – –
Von dir wird nur erwartet und verlangt, dass du alles Rohe, was dir dein Erdendasein zuführt Tag für Tag, aus eigener formender Kraft bearbeiten lernen willst um es zur Form zu gestalten! –
Darum sprach ich dir in diesem Buche in so mannigfacher Weise von der Notwendigkeit der Form! –
Behauptest du mit Recht, dass dich im äusseren Leben vieles hindern kann, dein Leben so zu formen wie du es gestaltet sehen möchtest, so muss ich dir dennoch sagen, dass du auch dort weit mächtiger bist als du vermeinst! – –
Nur wirst du vom Inneren her das Äussere bestimmen müssen! –

Suche alles, was dir dein äusseres Leben bringen mag, in geistiger Weise zu verwerten, indem du es geistig zu formen strebst, und du wirst manches Hindernis, das dir im äusseren Leben unüberwindlich erschien, dir gar bald durch dein weises geistiges Tun aus dem Wege räumen! – – –
Dein ganzes äusseres Leben wird sich nach dem Bilde deines geistigen Lebens wandeln, so du nur alles Äussere dir geistig zu formen weisst! – –

Gar manche nannte man «Künstler des Lebens» weil sie geschickt und sicher sich den Fährnissen entwandten, die das äussere Leben unerfreulich machen können.
Die Kunst des Lebens aber von der ich dir rede, wird dir auch dann nicht verloren sein, wenn du das äussere Leben auf dieser Erde einst verlassen musst!
Sie wird dich ihre edlen Früchte hier in diesem Erdendasein schon genissen lassen und sie alsdann in reichster Fülle einst in jener neuen Daseinsart dir bieten, die auf dieses Erdenleben folgt! – – –
Wahrlich, es ist wert aller Mühen, diese Kunst zu erlernen, und keinem versagt sie sich, der ernsten Willens ist, sich selbst und alles was er erleben mag, in geistiger Art zu formen! – –
Ihm wird auch alle irdische Form erst ihren tiefsten Wert offenbaren! –
In aller Form wird er den Geist am Werke finden! – – –

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