WAHN UND GLAUBE

Der-Weg-zu-Gott

DER WEG ZU GOTT

Wahn und Glaube.
Gewisses Wissen.
Traum der Seelen.
Wahrheit und Wirklichkeit.
Ja und Nein.
Der große Kampf.
Die Vollendung.





 

WAHN UND GLAUBE

 

Ich will nicht die Frage erheben: ob es dem Menschen dieser Erde «nötig» sei, an «Gott» zu glauben ?...
Alle, die von solchem Glauben lebten, haben sie in allen Zonen jederzeit bejaht! Das hat denn Frage sowohl wie alle Antwort längst in argen Misskredit gebracht...
Ich will die Frage erheben: wie es möglich werden könne, dass da ein Erdenmensch behaupte, er glaube an GOTT!?!

Es gibt so manche «heilige» Bücher alter Völker, in denen du lesen kannst, wie da und dort einstmals ein «Gott» dem Gläubigen «erschienen» sei.
Wenn ein solcher Beglückter behauptet, er glaube an diesen Gott, dann mag er vor sich selbst ein Recht zu solchem Glauben haben.

Was immer ihm auch «erschienen» sein mag: - er hielt die Erscheinung für den «Gott», und wenn er nun sagt, er «glaube», so sagt er nicht mehr, als dass er an eine Erscheinung glaube und nicht den Wahn erkenne, der ihn wähnen lässt, er habe «Gott» gesehen. – – –

 
 
Path to God

Wie aber willst du, dem nichts dergleichen geschah, behaupten, du glaubtest an Gott??
In deinem Denken nur hast du dir einen «Gott» erdacht nach deinem Ebenbilde!
Du hast dich selbst in einem Bilde zur Vollkommenheit erhoben, und dieses so erdachte Bild gilt dir als «Gott». – –
Ein Bilderanbeter bist du und deines selbstgeschaffenen Götzen Diener!
Aus deiner eigenen Enge kannst du nicht heraus, und so verhaftest du dich deinem engen Wähnen!
So wie du selbst gestalten musst, was du gestaltet sehen willst, so wähnst du, dass auch einer diese weite Welt gestaltet haben müsse, die durch deine Sinne dir erfahrbar wird; und diesen, aus der Enge deines Wähnens nur vermuteten Gestalter, nennst du deinen «Gott»; – die eigene Wahnverhaftung nennst du deinen «Glauben». – –
Du siehst in dieser Welt, die dich von aussenher umgibt, gar manches also angeordnet, als ob es um gewisser Zwecke willen solcherart geordnet wäre, und weil du selbst in gleicher Art, als ein Gebilde dieser gleichen Welt, durch rechte Mittel deine Zwecke zu erreichen suchst, so wähnst du hinter diesen Dingen einen, der dir gleichen müsse, und seine Zwecke also zu erreichen suche. – –
Es stört dich nicht, dass weitaus Mehreres in dieser Welt sehr wenig solcher Zwecksetzung entspricht, und dass der zweckbewusste «Schöpfer» ein gar arger Stümper wäre – noch unvermögender als sein vermeintliches «Geschöpf» – wenn er, so wie dein Wahn es will, aus einem Werke zu erschliessen wäre, das manchen Zweck erreicht und manchen nicht erreicht. – –
Es stört dich nicht, dass gar zu oft auch das was dir als «Zweck» erschien, erreicht wird, nur um durch ein Anderes, das dir in gleicher Weise äusserst zweckbewusst gefördert schien, zerstört zu werden. – –
Hier machst du halt; und nie verlegen, setzt dein Wähnen eine «unergründliche tiefe Weisheit», die auch den Unsinn braucht um sinngemäss zu walten. – –
Daraus, dass noch zu jeder Zeit und unter allen Völkern dieser Erde, der Mensch sich etwas schuf um sich vor dem Geschaffenen zu beugen, erschliessest du, dass deines Wahnes Schöpfung einer Wirklichkeit entsprechen müsse, – und weil dein Denken ihn erdenken konnte, «glaubst» du den «Gott», den du dir selbst geschaffen hast, im Sein, und weisst gar vielerlei von ihm zu
sagen.– – –
Bescheiden bist du wahrlich nicht, und selbst in deiner vielgerühmten «Demut vor dem Herrn» wird es dir nicht bewusst, wie wunderlich du deines «Gottes» Dasein aus dir selbst erklärst! – –
Du findest dich im Dasein hier, und darum «muss» – weil du es willst – dein selbstgeschaffener «Gott» auch irgendwo in einem «Himmel» sein! ...
Ob du nur nachzusprechen weisst, was Andere, vor dir, von «Gott» und «Gottes Eigenschaften» dir zu sagen wussten, oder ob du solche alte Mär verachtest und dir selbst den «Gott» erdenken magst, – stets bist du in den gleichen engen Zauberkreis gebannt, den dich dein überheblich stolzer Aberglaube ziehen hiess, selbst wenn du über allen «Glauben» dich «erhaben» fühlst und dich als geistig «frei» empfindest! – – –

Von solchem Wahn will ich dich lösen, mein Freund, und will dir zeigen, dass es dennoch möglich ist, «an Gott zu glauben». – –
Ich will dir zeigen, dass es einen «Gott» zu glauben gilt, der nicht aus deinem oder meinem engen Wahne erst erzeugt wird, und den nie- mals ein «Beweis» der nur im Denken seine Kraft erhält, erreichen kann! – – –

Zuvörderst müssen wir uns einig werden, was unter dem Worte «Gott» hier unter uns nun zu verstehen sei. –
Dass ich nicht irgend eines Wähnens, dem Wahn nur wirklich scheinendes Gespenst des irren Denkens mit dem Worte «Gott» bezeichne, zeigt dir schon meiner ersten Worte heller Hintergrund! –
Wir wollen der Wirklichkeit nahen, die das Denken niemals erfassen kann! – –
Dem ewig Seienden wollen wir begegnen auf unserem Wege! Nüchtern und klar muss dein inneres Auge sein, wenn du ihn erkennen willst! – –
Die Truggestalten deines Denkens wirst du vergessen müssen! –

Was dir begegnen wird, ist jenes Eine, das kein Zweites neben sich kennt, – das aber in Unendlichfältigkeit sich selber offenbart, wo immer es sich Offenbarung werden kann ! –
Du selbst bist seine Offenbarung, obwohl du noch nicht darum weisst, und in dir selber nur kann das sich Offenbarende dem Offenbarten fassbar werden! – – –
Auch dem Truge bist du in dir selbst begegnet; – jetzt aber sollst du die Wahrheit in dir selber finden! – –
Nicht allzuschwer ist es für dich, zu unterscheiden, was da Wahrheit ist, und was Selbstbetrug! –
Die sich betrogen hatten und dann erwachten aus ihren Träumen, verloren vielfach allen Mut, so dass sie also fürchten: neuem Truge zu erliegen, dass auch die Wahrheit, wenn sie ihnen je begegnet, gar harten Stand hat, will sie ihnen nicht als Trugbild gelten...
Du wirst nicht, ihnen gleich, dich der Verbitterung ergeben dürfen, denn was dir neunundneunzigmale nicht gelang, kann dir beim hundertstenmale
gelingen! – –
Wer weiss, ob vordem deine Zeit schon gekommen war, der Wahrheit begegnen zu können ?!
Vielleicht hast du in deiner Ungeduld ihr nur begegnen wollen, auf einem Wege, den sie meiden muss ?! – – –
Bist du jedoch auf rechtem Wege, und bereitet, sie zu erkennen, dann wirst du wahrlich nicht mehr im Zweifel sein, ob es die Wahrheit selber ist, oder ein selbstgeschaffenes Trugbild, was dir in dir selbst sich
zeigt. – –
In dem, was in dir selber Wahrheit ist, wird sich die ewige Wahrheit bezeugen!...
Das Licht, das aus sich selber leuchtet, wird dich erleuchten, und alle Lampen die du dir einst selbst geschaffen hast, damit sie deinen Weg umlichten sollten, werden dir kaum noch sichtbar bleiben in deiner strahlenden Erhellung ! – –
Du wirst deinem eigenen Leben begegnen in seiner ewigen Fülle; – dich selbst wirst du aus Lichteskraft im Lichte auferstehen sehen aus deiner Erdengrabesnacht!...
Mit «Gott» – – dem Seinsgrund alles Seins – wirst du dich selbst in Einheit finden! – –
Indem du zu dir selber «ICH» sagst, wirst du erst verstehen lernen, dass du seinen «Namen» heilig halten sollst! – – –

Während ich so zu dir rede, fühlst du in dir eine innere Gewalt – mag sie dir stark empfindbar werden, oder nur erst zag an deines Herzens hart verschlossene Pforte klopfen...
Etwas ist in dir, das meine Worte besser vernimmt, als dein Verstand, der nur der Sätze Sinn sich übereignen will! – – –
Dieses «Etwas» aber ist die Kraft des Glaubens, die du in dir trägst und noch nicht kennst! –
Kaum magst du es wahrhaben, dass sie in dir zu finden sei! – –
Du hast dich zu sehr von Jugend auf dem Denken übergeben, und alle letzte Sicherheit, soweit sie Menschen eben noch erreichbar sei, vermeintest du in ihm allein zu finden! – –
Nun hat dich dein Denken tausendmal betrogen, und heute noch bist du ein Sklave dessen, was du dir erdachtest! –
Dennoch fürchtest du, in leeres Nichts hinabzufallen, wenn du dich Anderem mehr als deinem Denken je vertrauen würdest! ...
Es ist nichts als diese Furcht, die dich zurückhalten will, der Kraft des Glaubens dich zu übergeben!
Aber vergeblich wirst du meine Worte hören, solange du sie nur zu deinem Denken reden läßt, und nur im Denken sie bestätigt finden möchtest! –

Glaube nicht, dass ich hier die Kraft des Denkens lästere!
Ich weiss sehr wohl, dass es gar vieles hier in diesem Erdendasein gibt, das nur dem reifen Denken sich erschliesst; und sehr weiss ich zu ehren, was die Menschheit denen dankt, die sie ihre Denker nennt! – –
Aber ein Anderes ist, was sich erdenken lässt, und ein wieder Anderes, was dir allein die hohe Kraft des Glaubens fassbar machen kann! – – –
Du wirst verstehen, dass ich hier beileibe nicht von einem «Glauben» rede, der nur «für wahr hält», was er «glaubt»! –
Nicht wert des Wortes «Glaube» dünkt mich solches Vermuten! –
Die Kraft des Glaubens von der ich rede, ist wahrlich anderer Art! ...
Hier ist kein Wähnen und kein Meinen, kein Vermuten und kein Erschliessen! Wer sich der Kraft des Glaubens überlässt, auch wenn er sie nur in der leisesten Bekundung erst in sich erfühlt, der wird gewiss nicht einer Meinung sich zu eigen geben müssen! –
Alsbald aber wird er fühlen, dass eine Kraft in ihm waltet, die ihn zu mancher neuen Erkenntnis führen kann, die «Fleisch und Blut» ihm niemals offenbaren würde! – –
Was du nun in dir fühlst, obwohl du es nicht deuten kannst, ist diese Kraft des Glaubens – vielleicht nur erst in ihrer aller- schwächsten Form...
Es ist etwas in dir, das da zustimmen möchte meinen vorigen Worten, wenn es dein Denken nicht zu hindern suchen würde durch Einwürfe aller Art. – –
Willst du deines Denkens stets gehorsamer Sklave bleiben, so wirst du freilich von der Kraft des Glaubens, die dich frei und ohne Fesseln sehen will, recht wenig zu erwarten haben! – – –
Nur wenn du dich loslösen kannst von deinem Denken, wirst du die Kraft des Glaubens in dir am Werke finden!

Du würdest jeden Handwerker verlachen, der mit der Axt das Eisen spalten wollte, und Wahnwitz würdest du bekundet sehen, wollte einer mit der Säge Fensterglas zerschneiden! –
Du aber versuchst bis jetzt noch ein Gleiches zu tun, – und noch bemerkst du nicht, dass du dich selbst
betörst! –
Mit allzu untauglichem Mittel suchst du zu erreichen, was niemals sich so erreichen lässt! ...
Du willst gleichsam Bäume fällen mit dem Federmesser und nach Erzen graben mit den blossen Händen!
Ich aber habe dir zu sagen, dass Denkkraft zwar ein sehr erprobtes Werkzeug ist, sofern es sich um die Durchdringung dieser Erdendinge handelt, – dass sie jedoch sofort versagen muss, sobald du strebst, zu der Erkenntnis dessen zu gelangen, was im Geiste wurzelt! –
Hier kann dir nur die Kraft des Glaubens helfen!
Glaube nicht, dass sie etwa weniger geeignet wäre, dir Sicheres zu geben, als die Kraft des Denkens dort dir gibt, wo sie allein das taugliche Werkzeug ist! – –
Noch immer verbindest du mit dem Worte «Glaube» nur den einen Begriff des «Fürwahrhaltens» dessen, was man «glaubt», oder zu «glauben» vermeint! Die Kraft des Glaubens aber ist eine innere Sicherheit, dass man das erreiche, was sie verheisst! – – –
Sobald du in solcher Weise Gott zu «glauben» suchst, wirst du gewiss nicht denen glauben, die dir alten, in der Enge eigenen Erfassens ausgebrüteten Wahn als Wahrheit darzustellen
suchen! – –
Du wirst nur dir selber glauben, wenn du der Kraft des Glaubens vertraust! – – –
In dir selber wirst du sie am Werke finden, und was sie dir zu offenbaren hat, wird in dir selber begründet sein! – –
In dir wirst du erleben, was sie dich lehren kann! – – –
Nur was du in dir erlebst, mein Freund, wird dir zu eigen sein! – – –
Was dir nicht gewiss wird wie dein eigener Erdenleib, wird dir niemals «Gewissheit» heissen dürfen! – –
Was du nicht erfassen kannst, so wie du dich selbst erfassest, hast du gewiss nicht erfasst! – –
Was du nicht «glauben» kannst, so wie du an dein eigenes Dasein glaubst, soll dir nicht «Glaube»
heissen! – – –
Ich will dich zum «Glauben» führen, – zu einem Glauben, den du vor dir selbst verantworten kannst!
Ich will dich zu einem «Glauben» führen, den du niemals verleugnen wirst!
Zu einem «Glauben» will ich dich leiten, der deine Tage auf der Erde überdauern wird!
Dann erst wirst du auch bezeugen können, dass du in Wahrheit glauben musst an «Gott»! – –
Dann erst wird auch der, an den du «glaubst», dich als einen «Gläubigen» erachten! – –
Vorher ist jedes «Bekenntnis» Lüge! Vorher ist jedes «Bekenntnis» nur ein Bekennen zu deinem oder irgend eines Anderen heilig gehaltenen Wahn! –
Hast du jedoch einmal erfahren, was sich erfahren lässt, dann wirst du fürder allem Wahn enthoben sein! – –
Hast du erfahren, was nur die Kraft des Glaubens dir erfahrungsnahe bringen kann, dann wirst du eine Sicherheit errungen haben, die man dir in Ewigkeit nicht wieder nehmen kann! – –
Hast du der Kraft des Glaubens dich vertraut, dann wirst du wahrlich einst dahin gelangen, allwo du dann mit allem Recht bekennen darfst:
«Ich glaube an GOTT!»