Was ist zu tun?

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DAS BUCH VOM JENSEITS

Einleitung.
Die Kunst zu sterben.
Vom „Tempel der Ewigkeit” und der Welt des Geistes.
Das einzig Wirkliche.
Was ist zu tun?



Was ist zu tun?


In den drei Büchern: „vom lebendigen Gott”, „vom Jenseits”, und „vom Menschen”, gab ich die erste ausführliche Beschreibung des innerlichen Weges, den jeder einschlagen muß, dem es im Herzen ernst ist, seine Geistnatur in sich selber finden zu wollen.

Ich habe gezeigt, was der Mensch, der diesen Weg beschreitet, zu tun, und was er zu unterlassen hat.

Trotzdem wurde ich immer wieder gefragt: „Was sollen wir nun tun? – Wie sollen wir anfangen?”

Aus der Fassung und Motivierung aller dieser Fragen ist klar zu ersehen, daß man präzise Vorschriften erwartet um danach eine alltäglich zu wiederholende, möglichst mysteriöse „Übung” auszuführen, die zum Ziel führen soll, wenn man sie mehr oder weniger „mechanisch” befolgt.

Es geht mir hier aber, den also Fragenden gegenüber, wie manchem Arzte, der nur die einfachsten natürlichen Heilmittel verordnet, und seine Patienten unbefriedigt läßt, weil er kein „Rezept” verschreibt…

Die meisten dieser Fragenden und Fragseligen waren vorher auf den von ihnen eingeschlagenen Wegen in das Labyrinth moderner „theosophischer” oder „okkultistischer” Literatur geraten und hatten sich nur, dank ihren gesunden Instinkten, aber doch ziemlich mühevoll, wieder herausgefunden.

Dennoch hatte solches Irren die Suchenden in gewisser Weise gefördert, denn es gibt keinen Irrtum, der nicht auf Umwegen doch zur Wahrheit führen könnte.

 

 

 
What is to be done
 
 

 

Darum soll keiner die Zeit seines Irrens „verfluchen”, denn er ahnt vielleicht nicht, was er ihr zu danken hat. –

So ist auch das Durchtasten des Labyrinths „theosophischer”, „anthroposophischer”, oder „okkultistischer” Glaubenslehren für keinen der endlich Befreiten ganz nutzlos gewesen.

In vielen wurde durch ihr tastendes Suchen die Überzeugung begründet, daß hinter all dem Irrtum der vernommenen Lehren doch irgend eine Wahrheit verborgen sein müsse.

In anderen wurde die Ahnung erweckt, daß die Sage von den sogenannten „Mahatmas”, – den mysteriösen, angeblichen Begründern der neueren „Theosophie” – nur entstehen konnte, weil der Orient von der Existenz geistvereinter Männer weiß, die zwar nicht Zaubereien aller Art verüben, wie man sie den erwähnten phantasiegeborenen Fakiren zuschrieb, aber dafür wirklich im Geistigen bewußt und heimisch sind, schon während ihres Erdenlebens.

Allerdings nahmen aber auch die meisten Suchenden aus den genannten labyrinthischen Irrgärten den törichten Glauben mit, daß es nur der Kenntnis einer geheimgehaltenen, sicher sehr mysteriösen „Technik” bedürfe, um durch deren Ausübung dann aus einem Alltagsmenschen alsbald zu einem „Seher höherer Ordnung”, einem „Eingeweihten”, ja gar einem „Meister” geistigen Wirkens zu werden.

So richtig die beiden erstgenannten Annahmen sind, so falsch ist natürlich dieser hier zuletzt erwähnte Glaube!

Gewissenlose Charlatane und geschickte Seelenfänger aber benützen ihn, und gaben ihren Schülern allerlei mehr oder weniger bedenkliche Anweisungen aus alten mystischen Schriften, wobei die „Geheimlehrer” zumeist selber nicht ahnten, welche Wirkungen die getreue Befolgung dieser Vorschriften auszulösen vermag.

Der Schüler aber glaubt sich auf rechtem Wege, denn er sieht ja, daß durch Befolgung der ihm gewordenen Anweisungen tatsächlich gewisse Resultate zu erlangen sind, von denen sich landläufige Seelenkunde nichts träumen läßt, – trotz allem psychologischen Forschen und allem Aushorchen des „Unterbewußten” im Menschen.

Mancher der „Geheimlehrer” mag nur seiner Eitelkeit fröhnen, wenn er Anweisungen zu vermeintlicher „Eröffnung innerer Sinne” weitergibt, die er aus irgend einem alten Pergamentband ergrub, und die nichts anderes eröffnen, als die trüben Modergrüfte, in denen eine aktive Form spiritistischer Medialität gedeiht, deren Züchtung man mit Fug und Recht gewissen asiatischen Gauklern überlassen sollte.–

Der Herr „Geheimlehrer” braucht keineswegs selbst an die Wirksamkeit seiner Anweisungen zu glauben.

Wie ein „Bazillenträger” selbst gesund sein kann, und doch die furchtbarsten Krankheitskeime verbreitet,, so ist es auch keineswegs nötig, daß der Verbreiter von Methoden zur vermeintlichen „Eröffnung innerer Sinne”, darüber unterrichtet ist, daß er nur die Entwicklung aktiver spiritistischer Medialität in seinen armen Opfern fördert. –

Den Schülern solcher Schädlinge verschiedenen Grades aber wird es leicht gemacht, moderner wissenschaftlicher Kritik zu begegnen, denn sie können jedem Wort der gelehrten Kritiker entnehmen, wie ahnungslos diese höchst achtbaren Forscher auf einem Gebiet experimentieren, das eine Fata Morgana hinter der anderen aufweist, um den seiner selbst so gewissen Experimentator immer tiefer in die Wüste zu locken, je sicherer sein Glaube wird, nun der endgültigen Antwort auf seine Fragen „ganz nahe” zu sein. – –

Man würde den Versuch neuerer Psychologie, gewisse recht fragwürdige, sogenannte „übersinnliche” Erscheinungen endgültig entwerten zu wollen, gewiß nur begrüßen können, wenn dieser Versuch sich nicht selbst entwerten würde, durch die jedem Kundigen sofort auffallenden falschen Folgerungen, die aus zweifellos richtig beobachteten Vorgängen PDF Seitens der Forscher gezogen werden. –

Auch unantastbar reiner Drang nach Wahrheitserkenntnis wird im Irrtum enden, wenn Vor-Urteile den Sucher der Wahrheit gebunden halten!

Die Folge ist, daß die kritikunfähige, im Nebel krauser Vorstellungen tastende Gemeinde schlauer Seelenfänger längst verlernt hat, Wahrheit in Erkenntnissen der Wissenschaft zu suchen, – statt dessen aber sich von jedem Eulenspiegel gerne imponieren läßt, wenn er nur versteht, seinen bunten Plunder als angebliche „Geheimwissenschaft” zu vermarkten …

Ist dann noch gar nach seiner „Methode” die erwähnte mediale Entwicklung zu erzielen, dann hat er gewonnenes Spiel, und man glaubt ihm aufs Wort, wenn er in geheimnisvollen Andeutungen zu verbreiten weiß, daß er die Wiederinkarnation irgend eines erhabenen Menschengeistes der Vorzeit sei.

Für jeden, der meine Warnungen mit einiger Einsicht liest, dürfte es längst klar sein, daß ich die dabei charakterisierten alten und neuen „Methoden” alle genauestens kenne, – daß es mir aber auch ein leichtes wäre, darüber hinaus noch so manche Wege zu sogenannter „Übersinnlicher Ent wicklung” anzugeben, von denen keiner der sonderbaren Heiligen etwas wußte, die in der neueren Zeit ihren Anhängern als „Eingeweihte’ und „Geheimwissenschaftler” galten.

Es gibt da Möglichkeiten, Resultate zu erzielen, die nicht nur den besten Schülern solcher „Geheimlehrer” als unerreichbar erscheinen müßten, sondern auch der scharfsinnigsten psychologischen Kritik einiges zu raten aufgeben würden.

Wäre es nichtunsühnbares Verbrechen, die hier in Rede stehenden gefährlichen Wege auch nur andeutungsweise zu zeigen, dann könnte ein Hinweis vielleicht dazu führen, manches aufzuklären, was sich vorläufig noch durch kein psychologisches Experiment und keine metapsychische Forschung entschleiern läßt.

So herzlich gerne ich aber auch der Wissenschaft diesen Dienst leisten würde, bin ich doch dazu außerstande, und das nicht nur aus dem schon angegebenen Grunde, wie um der Verpflichtung willen, die mich, gleich allen meinen geistigen „Brüdern” für Zeit und Ewigkeit bindet, sondern auch deshalb, weil es sich hier um ein Gebiet handelt, dessen berechtigtes Betreten vom Menschen mehr verlangt als nur „wissenschaftlichen Forschungseifer”…

Es ist wohl kaum nötig, zu betonen, daß hier anderes in Frage steht, als die längst hinlänglich bekannten „Hata-Yoga-Übungen” und die aus ihnen abgeleiteten „Methoden”, gewisse Fakirwunder zu vollbringen!

Aber wenn ich auch in keiner Weise verpflichtet wäre, würde ich dennoch mich niemals dazu verstehen können, das aus so triftigen Gründen Verborgengehaltene zu enthüllen, denn ich weiß zu gut, welches Unheil dann unvermeidbar durch die Hände Machthungriger angerichtet würde.

Mich gelüstet aber keineswegs nach einem „Prometheusschicksal”, wie ich ihm unweigerlich verfallen müßte, wollte ich zum verantwortlichen Urheber solchen Unheils werden.

Zur Erlangung der geistigen Vereinigung mit dem Urlicht, – zum Erwachen der geistigen Natur des Menschen aus ihrem Schlafe, – zu dem, was erhabene Erkenntnis die „Wiedergeburt” nannte, – sind die hier gemeinten Kenntnisse weder nötig noch nützlich.

Wie alle Künste, die auf einer Möglichkeit der Anwendung hochgespannter, gemeinhin unbekannter psycho-physischer Kräfte beruhen, haben auch die, von denen hier gesprochen wird, nicht das mindeste zu tun mit der Erweckung und Entfaltung des ewigen Geistmenschen.

Was zu dieser Erweckung und Entfaltung gefordert wird, ist in erster Linie eine kontinuierlich beibehaltene Einstellung des ganzen Denkens, Fühlens und irdischen Wollens auf das zu erstrebende Ziel.

Der ganze irdische Mensch muß sich aus eigener Kraft erst selbst allmählich umgestalten, bevor ihm geistige Hilfe zuteil werden kann.

Es nutzt wenig oder nichts, diese Einstellung nur hin und wieder vorzunehmen, so wie der Fromme einer Gemeinde alle sieben Tage einen Tag gewohnheitsmäßig seinem Gotte weiht…

Jede Minute des weiteren Lebens, jede alltägliche Handlung, jeder auftauchende Gedanke, jeder Wunsch und jeder Impuls des irdischen, gehirnbedingten Willens muß hinfort unter dem formenden Einfluß der geforderten Einstellung stehen, wenn der Mensch, der diesen Weg einmal betreten hat, zu wirklichen und nicht nur eingebildeten Erfolgen kommen soll.

Periodisch auszuführende „Übungen” könnten im besten Falle nur in einem wiederholten Aufraffen zu vertiefter Empfindung solcher Einstellung bestehen.

Alles, was in dieser Hinsicht empfohlen werden mag, hat nur den einen Zweck, die neue Einstellung allen Sinnens und Trachtens im Bewußtsein wachzuerhalten, so daß sie keinen Moment mehr vergessen werden kann.

Wird aber diese Einstellung wirklich dauernd festgehalten, so daß sie das ganze Leben des Alltags wirksam bestimmt, – einerlei durch welche, der individuellen Eigenart angepaßten Hilfsmittel man das erreicht, dann erfolgt bald alles weitere – „von selbst”, d. h. ohne unser bewußtes Zutun.

Es bildet sich dann in einem solcherart gefestigten Menschen ein Kräftezentrum, das zu immer größerer Wirkung kommt und zuletzt die geistige Verbindung mit den schon vollendeten ähnlichen Kräftezentren hier auf Erden herstellt, ohne daß es dazu eines besonderen Willensaktes bedürfte.

Sobald diese Verbindung möglich ist, erhält der Suchende die geistige Hilfe derer, die bereits gefunden haben, und die nun keine höhere Pflicht kennen, als überall dort zu helfen, wo man ihre geistige Hilfe aufzunehmen vermag, einerlei ob sie im Bewußtsein schon empfunden werden kann, oder noch nicht.

Der Suchende ist dann gleichsam zu einem „Empfangsapparat” geworden für eine gewisse Art von geistigen Einstrahlungen die allerdings nur innerlich wahrzunehmen, aber nicht durch wissenschaftliches Experiment zu erfassen sind.

Die Wirkungen aus dem Reiche substantiellen Geistes sind nur durch Innewerden zu erfahren und können niemals fremder gelehrter Untersuchung Material zu gedanklicher Definition bieten, denn es handelt sich hier um Lebendiges, das sich sofort zurückzieht, wo auch nur der leiseste Versuch gemacht wird, es zu betasten. –

Man glaube aber ja nicht, daß man im Handumdrehen ein solcher „Empfangsapparat” werden könne!

Wer bei den Ewigen zur Lehre angenommen werden will, der muß sich selber in den Werkschurz der Geduld zu kleiden wissen…

Auch der intensivste, irdisch erzeugte Wille, – der als bloße Äußerung von Gehirnfunktionen sehr genau von dem im Menschengeiste sich manifestierenden substantiellen ewigen Willen zu unterscheiden ist, – vermag die Entfaltung der geistigen Aufnahmeorgane nicht zu beschleunigen.

Ein verbissenes, „eigensinniges”, hirngezeugtes „Wollen” stört nur den Kristallisationsprozeß der hier in Betracht kommenden Kräfte, die zu einem neuen Kräftezentrum zusammenschießen sollen, das den Gehirnfunktionen dann nicht unterworfen ist. –

Je konsequenter aber die hier immer wieder bezeichnete innere „Einstellung” des ganzen Menschen festgehalten wird, – wie ein Fernrohr eingestellt bleiben muß auf das Beobachtungsobjekt, – desto eher kann der Zeitpunkt erreicht werden, der den Suchenden auch in fühlbaren Kontakt bringt mit seinen geistigen Helfern.

Das praktische Verhalten des Suchenden in seinem täglichen Leben ist allein maßgebend, – nicht etwa das Befolgen oder Nichtbefolgen von „Übungen” irgendwelcher Art.

Es soll jedoch damit nicht gesagt sein, daß man sich nicht etwa einer besonderen Form geistiger Versenkung in periodisch wiederkehrender Folge hingeben dürfe, wenn man bemerkt hat, daß dadurch auch das Verhalten im Alltagsleben die erwünschte Sicherung der Einstellung aufs Geistige erfährt.

Ist der Suchende in hinreichenden Kontakt mit seinen geistigen Helfern gekommen, dann erfolgt zuerst eine Art Prüfung seiner Kräfte, und je nach deren Ausfall wird die weitere geistige Einwirkung auf ihn „abgestimmt”.

Die Skala möglicher geistiger Einstrahlungen beginnt mit der bloßen Verstärkung der Eigenkräfte des Suchenden und reicht hinauf bis zu persönlicher geistiger Führung.

Bei den Wenigen, die schon vor ihrer irdischen Geburt unter solcher Führung stehen, da sie sich zu „Meistern” geistigen Wirkens auf der Erde vollenden sollen, kommt es zuletzt zu völliger geistiger Verschmelzung mit dem Führer, obwohl dieser vielleicht in einem fernen Weltteil lebt, so daß der Schüler nicht mehr begriffliche Lehre empfängt, sondern alles miterlebt, was im Geiste (nicht etwa dem „Gehirnbewußtsein”!) seines Lehrers vorgeht.

Die Absicht des „Meisters” gewisse in ihm lebendige geistige Vorgänge auch seinem Schüler empfindbar zu machen, genügt, damit der Schüler diese Vorgänge so wahrnimmt, als erfolgten sie in ihm selbst, obwohl er zweifelsfrei weiß, auf welche Weise er zu solchem Miterleben kommt.

Da der „Meister” für seine Individualität, die Vereinung mit dem „Urlicht” längst erreicht hat, so erlebt der Schüler diese Vereinung zuerst in der Verschmelzung mit der durchlichteten Seele seines Lehrers.

Allmählich wird dann der Schüler reif dazu, die Vereinung mit dem Urlicht selbstständig zu erreichen.

An diesem Ziele angelangt, steht er nicht nur im Bewußtsein seiner eigenen geistigen und ewig unzerstörbaren Individualität, sondern empfindet in sich auch gleichzeitig das Bewußtsein aller Individualitäten im Geiste, die jemals zur Offenbarung in einem Menschenbewußtsein kamen …

Der so Vollendete gewahrt sich mit allen in gleicher Weise zur Vollendung Gelangten verschmolzen zu einem ihm neuen Gemeinschaftsbewußtsein, dem nichts auf Erden Bekanntes vergleichbar ist.

Sein eigenes individuelles Bewußtsein ruht in diesem gemeinsamen Bewußtsein eingebettet.

Niemals jedoch kann das individuelle Bewußtsein des Vollendeten etwa in dem Gemeinschaftsbewußtsein „aufgelöst” werden.

Das einzelne Individuum lebt in dieser Verschmelzung für alle Ewigkeit das Leben des Ganzen, alle anderen Individualitäten dieses Ganzen durchdringend und selbst von ihnen durchdrungen, ohne daß eine der so geeinten Individualitäten des Geistes jemals ihr durch sich selbst bestimmtes Eigendasein verlieren könnte.

Absolute Gewißheit in Bezug auf das Fortbestehen des menschlichen Bewußtseins, das über den Tod des irdischen Leibes hinaus, ewig in geistiger Anschauungsform sich erlebt, gibt es naturgemäß nur für die Wenigen, die das hier aufgezeigte Ziel in ihrem Erdendasein schon erreicht haben.

Alle anderen Menschen sind nur auf Mutmaßungen oder die Beruhigung durch eine Glaubenslehre angewiesen, – wenn sie nicht vorziehen, doch lieber den Mitteilungen der wenigen unter ihren Mitmenschen zu vertrauen, die bereits zu Lebzeiten auf Erden auch „das Leben nach dem Tode” aus eigener Erfahrung kennen.

Die echten Zeugnisse solcher, die wirklich, und nicht nur im Rausch der Ekstase, oder gebannt durch irgend eine Form der Hypnose, dieses Ziel erreichten, sind einer unbefangenen, durch kein Vor-Urteil gebundenen Kritik sehr wohl unterscheidbar von den phantastischen Konstruktionen irrer Schwärmer oder dichterisch begabter Phantasten.

Unter allen Völkern kann man die echten Bekundungen Jenseitsbewußter finden, und zu allen Zeiten lebten einzelne Menschen, die vom Leben im Geiste wahren Bericht zu geben hatten.

Das Kleid, in dem ein solcher Bericht sich verhüllt, mag nach der Mode der Zeit zugeschnitten sein und die Farbe des in ihr allein anerkannten Glaubens zeigen, – aber wer sich hier nicht mit dem Anblick allein zufriedengibt, der faßt in allen diesen Gewändern immer wieder den Menschen und des Menschen allertiefstes Erleben: – das Einsgewordensein mit dem Quellgrund allen Seins der Ewigkeit und allen Daseins in allen Bereichen von Raum und Zeit.

Wer einmal begriffen hat, was der Höhenweg von ihm will, den meine Schriften ihm zeigen, und zu welchem Ziel auch der Wenigtaugliche auf diesem Wege schon gelangen kann in diesen Erdentagen, der wird fürderhin nicht mehr die Frage an mich richten, was er denn „tun” solle, und als Antwort die Bekanntgabe einer seltsamen „Übung” erwarten.

Er dürfte erkannt haben, daß es sich hier um unermeßlich Höheres handelt als um wundersame„Fakirkräfte”, – um unermeßlich Höheres als die bestaunenswertesten „Wunder des Okkultismus”, – und um unermeßlich Höheres als die mit naturwissenschaftlichen Erkenntnisfetzen skurril verbrämten „Geheimlehren” hirngefesselter Konventikel…

Wenn ich auch genötigt bin, – um wenigstens von denen verstanden zu werden, die am meisten in Gefahr sind, – an schon Bekanntes, und zuweilen auch an die Terminologie des Orients anzuknüpfen, so wie sie durch „theosophische” Schriften alltagsbekannt geworden ist, so wird doch der Tieferschürfende bald herausfinden, daß ich von Dingen rede, von denen bisher nur recht verzerrte Bilder Kunde gaben.

Auch der gelehrte Orientalist, der alle bis heute zugänglichen Texte des Ostens kennt, wird darin nur verschleierten Hinweisen auf das Verborgene begegnen, denn die alten, heilig gehaltenen Schriften waren ausnahmslos für Menschen geschrieben, die bereits „von Mund zu Ohr” geheime Belehrung erhalten hatten.

Die Gestalter der alten religiösen Bücher mengten mit Absicht nüchterne Berichte, Chroniken oder Erzählungen, die nicht das Mindeste an verborgener Lehre enthalten, unter die Niederschriften, die nur dem dafür Vorbereiteten verstehbar sein sollten, während der bloße wörtliche Sinn oft das Gegenteil von dem besagt, was die Kundigen dem gleichen Schriftteil entnehmen konnten.

Die Lehren, denen ich hier zum Sprecher werde, sind überdies auch, selbst in verhüllender Form, nur äußerst selten, und dann immer nur bruchstückweise aufgezeichnet worden.

Die Handschriften aber, in denen diese Bruchstücke vereint zu finden sind, werden auch heute und in künftiger Zeit niemals Unberufenen zugänglich sein, und „unberufen” ist hier jeder, der noch nicht auf geistige Weise in sich erfahren hat, was lapidar, als „Kanon” gedacht, in diesen Handschriften als erfahrungsmöglich dargestellt erscheint.

Bis vor kurzem wurden PDF Seitens der wenigen Menschen, die diese Lehren leben und sie darum auch „lehren” können, uralte Vorschriften streng respektiert, die eine öffentliche Weitergabe auch nur so weniger Andeutungen, wie ich sie zu geben nun verpflichtet bin, unter allen Umständen untersagten.

Erst eine Milderung der rigorosen Auffassung jener Vorschriften konnte die öffentliche Darlegung dieser Lehren im hier gegebenen Zusammenhang möglich machen, nachdem die erhabenen Lenker der geistigen Hierarchie, deren niederste Stufe ihre wenigen Glieder auf unserem Planeten bilden, diese mildere Auslegung, als dem Wohl der Zeit entsprechend, angeordnet hatten.

Wer das, was ich nun öffentlich lehre, erfassen will, der wird die Meinung aufgeben müssen, als handle es sich hier um eine neue Abart irgendwelcher Glaubenslehren, oder gar um Werbung für eines der Systeme östlicher Philosophie.

Wer Spuren des Erkennens, dem ich diene, in der Menschheitsgeschichte zu finden sucht, der wird sie gewiß zu finden wissen.

Am reinsten war dieses Erkennen in Menschen lebendig, zur Frühzeit antiker Mysterienkulte.

Geübten Ohren sprechen allerdings die Stimmen aller Jahrhunderte eine deutliche Sprache, und es kostet nicht allzuviel Mühe, um festzustellen, daß der Ausgangsort dieser hier vorliegenden Erkenntnisbezeugung bis in die neueste Zeit weithin wirksam war auf der Erde, als inspiratorische Quelle für jede Menschenvereinung, deren erhabenstes Ziel die Erreichung höchster Menschenwürde bildete, oder auch heute noch bildet. –

Vieles wäre hier zu sagen, was zurzeit nicht besprochen werden kann, weil es Dinge betrifft, die von denen selbst gefunden werden müssen, die das hier Verschwiegene angeht.

Wer immer aber die Früchte ernten will, die im Garten der hier vorgetragenen Lehren wachsen, der muß sein ganzes Leben zu einer immerwährenden „Übung” machen!

Das neue Leben, das er finden will, ist bereits in seinem Alltagsleben enthalten, – nur vermag er das ihm Neue noch nicht zu erkennen. –

Er hat nicht nötig, sich von „Geheimlehrern” übelwirkende „Übungen” auftragen zu lassen, denn sein alltägliches Leben ist selbst die wirksamste, wirklich geistige „Übung”, die ihm das ewige Urlicht täglich neu zur Bearbeitung gibt. –

Im alltäglichen Leben, – in allereinfachster Form und ohne jede mysteriöse Geste, – wird er im Laufe der Zeit seine ihm erreichbare Vollendung hier auf Erden finden, – niemals aber in „esoterischen Schulen” und überheblichen Zirkeln angeblicher Eingeweihter die ihre Unverfrorenheit die Rolle geistiger „Lehrer” spielen läßt, und denen man nur Vergebung erbitten kann, weil sie nicht wissen, was sie tun …

Die geistige Vollendung verlangt den ganzen Menschen!

„Körper” und „Seele” sind bei der Erstrebung dieser Vollendung niemals getrennt zu empfinden!

Es gibt kein „Körperliches”, das nicht zugleich ein „Seelisches” wäre, und es handelt sich nicht um „Vergeistigung” des Körpers, sondern um die irdisch mögliche und irdisch faßbare Verkörperung des ewigen Geistes durch die Kräfte der Seele. – –

Die den Körper verachten und dennoch in das Reich des wesenhaften ewigen Geistes zu gelangen hoffen, finden statt dessen nur ein neues Reich der Illusion!

Vom Körper aber wird verlangt, daß er „glauben” lerne an das in ihm verborgene ewige, überpersönliche „Ich”, dem er Darstellung werden soll.

Das ewige, geistgezeugte „Ich” ist die reine Quelle der geistigen Kräfte im Menschen der Erde, aber der Körper ist der Schöpfeimer, um diese Kräfte aufzunehmen und heraufzuholen ins irdische Leben.

In diesem ewigen „Ich” finden wir uns selbst, so wie wir ewig sind im Ewigen!

Nur in diesem innersten „Ich” finden wir den allumfassenden ewigen, substantiellen Geist!
In deinem, dich selber erzeugenden „Ich” allein findest du deinen „lebendigen” Gott! –

„Nicht durch Verstand und reiche Schriftgelahrtheit” wird das Höchste erlangt, was
Menschen zu erlangen vermögen!

Die geistige Vollendung ist eine Auswirkung des Lebens, – nicht etwa Erarbeitung des messerscharfen Denkens!

Es gibt wahrlich etwas, das nur mit dem Verstände erlangt werden kann.

Dieses soll man zu erdenken suchen um es zu „wissen”!

Alsdann aber erhebt sich der Weise über das Wissen, bis er denken lernt, wie Kinder denken! –

Nicht „kindisch” sollst du denken lernen, sondern erneut zur Einheit des Denkenden und des Gedachten kommen.

In solcher Einheit hast du voreinst, als du ein Kind warst, deine ersten Gedanken gefaßt, und in gleicher Einheit nur lassen sich die letzten und höchsten Gedanken denken.

So, wie dein frühestes Denken sein Material nicht „erdachte”, sondern in erster irdischer Erfahrung fand, so muß dir zuletzt deine geistige Erfahrung die Bausteine liefern, mit denen du deiner Erkenntnis hohen Dom überwölben sollst…

Dann hast du dein Erdenleben nicht umsonst durchlebt und nicht fruchtlos sein Leid durchlitten!

Sicher in deinem „Diesseits” geborgen, wirst du dein „Jenseits” getrost erwarten können, – schon heute gewiß deines ewigen Lebens im göttlichen Licht!