PRÄLUDIUM

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DAS BUCH VOM GLÜCK

Präludium
Die Pflicht glücklich zu sein

„Ich” und „Du”.
Liebe.
Reichtum und Armut.
Das Geld.
Optimismus.
Schlußwort




PRÄLUDIUM

 

Hast Du jemals ein Kind gesehen, das eine Burg aus Sand erbaute, und fröhlich in die Hände klatschte als sein Werk vollendet war? – –

Hier hast Du Deinen Meister gefunden, Du, den nach Glück verlangt…
Hier ist ein Mensch, der das Glück gefunden hat, und so Du nicht suchen willst, dem Kinde gleich, das Glück zu finden, wirst Du vergeblich Qual und Durst nach Deinem Glück erleiden.
Alles Glück der Erde, und von ihm nur soll in diesem Buche die Rede sein, ist ein Glück des Schaffenden – – sei es, daß er in sich das königliche Reich der Liebe schaffe, sei es, daß sich sein Werk aus dem Geist gestalte, sei es, daß materielle Werte seinem Schöpferwillen in Materie Gestaltung geben. – – –
Die Freude des Schaffenden an seinem Werke allein ist Glück, und alles, was Du sonst mit diesem Namen nennen magst, wird, wenn Du ihm vertraust, Dich sicherlich um wahres Glück, soweit es diese Erde geben kann, – betrügen…

 

 
 
Bo Yin Ra

 

Du Liebender, der Du Dein Glück allein in Deiner Liebe findest, sage mir, was Deine Liebe Anderes ist als Freude des Schaffenden?! – –

Gefühle sind die Kräfte Deines Schaffens, und wenn Du wahrhaft «glücklich» bist in Deiner Liebe, dann hast Du Dir im Reiche der Gefühle einen Tempel auferbaut, den keiner, außer Dir betreten kann, und dessen Allerheiligstes das Gottesbild umschließt, dem Du als Priester Deiner Liebe dienen willst und Opfer spendest…
Vielleicht bist Du noch niemals Dir bewußt geworden, hier ein Schaffender zu sein, – fühlst Dich bemeistert von Gefühlen, die Dich leiten, oftmals gegen Deinen Willen, – glaubst Dich in Banden, die Dich fesseln, wo Du gerne Fesseln tragen willst, und lebst dem Wahn, dies alles käme nur von außen her, und schalte frei mit Dir nach ewig in das Erdenleben eingewobenen Gesetzen?? –

Du stehst Dir selbst im Lichte, wenn Du also denken magst! – – –
Wohl folgst Du ewig unbesiegbarem Gesetz, wenn Deine Seele sich dem Strom der Liebe öffnet, der das All durchfließt, und mit geheimnisvoller Kraft die Seelen und die Leiber zueinanderzieht, doch wird die Folgeleistung Dir nur Glück versprechen, und Du wirst in Deiner Liebe niemals auch Dein Glück erreichen, wenn sie nicht vermag, in Dir den Schaffenden zu wekken. – –
Was Dich dann wirklich «glücklich» macht, das ist Dein eigen Werk, – das Schaffen aus dem Chaos der Gefühle, und dieses Schaffens Folge: – – jene Harmonie der Seele, die sich selbst vollendet, wenn sie sich der anderen Seele schenkt. –
Selbst jener sinnliche Genuß, der unter Menschen, die kein höheres Verlangen kennen als den Trieb der Tiere, «Liebe» heißt, zwingt niederste Gefühle dennoch, schaffend sich ein Trugschloß zu erbauen, in dem sie ihrer geilen Träume Götzenbild, als Sklaven ihres kurzen «Glückes» sich errichten.

Du aber, Du Liebender, der Du wahrhaft «glücklich» werden willst, wirst eine andere Art des Glückes suchen müssen, und wenn Du ein wahrhaft Liebender bist, dann wird Dir ein Glück der körperlichen Empfindung niemals von dem Glück der seelischen Vereinung trennbar sein. –
Nur als ein Schaffender kannst Du dieses Glück der Seele finden! – – –

Du läßt Dich immer noch gar leicht betrügen, und erwartest täglich das Nahen des Glückes von außen her. –
Dem Einen ist es die Liebe eines geliebten Menschen, dem Anderen ein Werk, das er erstehen sehen möchte, und wieder Anderen wird es nur als die Befreiung von des Leibes Not und Sorge erscheinen.

Aber wenn auch dies Alles von Dir errungen wurde, wirst Du am Ende immer wieder Dir gestehen müssen, daß noch ein Weiteres zu Deinem Glücke fehlt, und Du wirst in Unrast weiter suchen, wo Du vorher Dich am höchsten Ziele wähntest. – –
Du ahnst nicht, welches Glück das Leben dieser Erde in sich birgt, und daß es allen «ewigen» Glückes Unterpfand und Nährboden ist! –
Sinnlos wird dieser Erde Dasein für Dich und zu einer Kette täglich sich erneuernder größerer oder kleinerer Peinigungen, wenn Du nicht hier auf dieser Erde zu Deinem irdischen Glücke findest! –
Glaube nicht jenen trostlosen Lehren, die Dir ein «Glück der Ewigkeit» in Aussicht stellen, wenn Du auf dieser Erde Glück verzichtest!
Auch hier und jetzt, zu dieser Stunde, da Du dies lesen magst, bist Du mitten in der Ewigkeit, und was Du jetzt Dir nicht zu schaffen vermagst, wird Dir kein Gott in aller Ewigkeit verschaffen können…
Du wirst erkennen lernen müssen, daß alles Glück nur Folge einer Fähigkeit ist, die Du in Dir trägst, und daß Du niemals glücklich werden kannst, weder jetzt, noch in irgend einer anderen Daseinsform, wenn Du diese Fähigkeit nicht zur Entfaltung bringen magst, wenn Du träge wartest darauf, daß Dir einst Dein Glück begegnen müsse, oder wenn Du gar glaubst, es müsse als «Belohnung» Deiner Taten Dir von außen her, als Folge «göttlicher Gerechtigkeit », gegeben
werden! – – –
Nur als ein Schaffender wirst Du Dein Glück erringen und für die Dauer Dir erhalten!
Nur was Du Dir selber jetzt in Dir auferbauen kannst, wird ewig Dir Befriedigung gewähren!
Nur wenn Du Dir Glück zu schaffen weißt, wirst Du in jeder Lebensform zu Deinem Glücke gelangen! – – – – – – –