VON DEN GEISTIGEN MEISTERN

DAS BUCH DER KÖNIGLICHEN KUNST PDF

DAS BUCH DER KÖNIGLICHEN KUNST

Das Licht vom Himaval und die Worte der Meister.
Dur Leuchtende dem Suchenden.
Die Ernte.
Das unendlichfältige Eine.
Erkenne Dich selbst.
Von den geistigen Meistern.
Die Gefahr der Eitelkeit.
Aus dem Lande der Leuchtenden.
Die Schwelle.
Die Frage des Königs.
Die Wanderung.
Osternacht.
Vereinung.
Der Wille zur Freude.
Allen, die zum Lichte streben.
Die Lehre.
Ausklang.




 

VON DEN GEISTIGEN MEISTERN

Wie steht es aber um die hohe Gemeinsamkeit der geistigen Lehrer?

Wie gelangst du zu ihnen, die dich vom Geiste her helfend führen, wenn du „außen” nicht suchen sollst?

Was sollen dir diese Worte hier, die doch von außen her dich erreichen müssen, wenn du nur in deinem Allerinnersten die Führung erwarten darfst?

O Suchender! – Diese geistige Führerschaft ist dir sehr nahe und du weißt es nicht! –

In dir wirkt sie und in dir bist du mit ihr verbunden, ohne die Spur der Verbindung zu ahnen.

Du könntest im äußeren Leben auch Tage und Nächte lang mit einem der geistigen „Meister”, wie man die Leuchtenden des Urlichts zu nennen pflegt, in einem Räume zusammen leben, und du würdest ihn doch nicht als das, was er ist, erkennen, denn gut hat der eine Meister, der uns zu geistigen Meistern schuf, unsere Meisterschaft vor trübsichtigen Augen verhüllt…

Wenn du aber sehend unserer Geistesgemeinschaft nahen willst, so achte darauf, in dir selbst die geistige Atmosphäre zu erreichen in der wir leben, – wir, die wir selber sehend wurden durch das eine ewige Auge, dem kein irdischer Sinn entspricht.

Nicht eher wirst du innerlich uns vernehmen, als bis zu jenem Tage, der dich zum erstenmal in innerster wunschloser Stille, voll Sicherheit und vertrauender Furchtfreiheit findet!

Äußere Ruhe nützt dir dabei nur wenig.

Je reicher du beschäftigt bist in deiner Alltagswelt, – je intensiver du die Arbeit, die dein Tagewerk von dir verlangt, zu fördern weißt, – desto näher kommst du in deinem Innern der geistigen Atmosphäre, die uns Lebensnotwendigkeit ist, und in der allein die unstörbare Stille herrscht, die du erreichen mußt. – –

Du liebst vielleicht die romantische Vorstellung, wir „Löwen der Stille”, wie man uns nannte, seien müßige Träumer, phantastische Hierophanten, oder gar „Yogis” von der zweifelhaften Sorte, die man an den Märkten sieht?!

Du glaubst, die Klar-Augen, denen die Mythe aller Völker erhabene Einsicht dankt, seien wohl Priester mysteriöser Kulte in weihrauchdurchzogenen geheimen Krypten?!

Du kannst dich nicht lösen von der Vorstellung, wir seien irgend einem irdischen Willen dienstbar, – irgend einer macht erstrebenden Religion oder Weltansicht gemeinsam
verhaftet?! – –
Wenn du, o Suchender, jedoch auf die Spur der Wahrheit finden willst, dann lass’ dich nicht täuschen durch die Gaukelspiele deiner übersatten Phantasie!

Wisse, daß unter den geistigen Meistern, die auf dieser Erde wirkten, Meister des Schwertes sind!

Wisse, daß andere die Geschicke großer Länder lenkten!

Einige aus uns pflegten hohe Künste, andere hohe Wissenschaft, und wieder andere flohen und fliehen jede Wissenschaft, jede Kunst.

Einige lebten in großen Städten inmitten des Weltgetriebes ihrer Zeit, – andere aber hausten in ferner, unnahbarer Einsamkeit, die auch heute noch fast aller Zuflucht blieb.

Wechselnd im Wechsel der Zeiten, finden sich in gar verschiedenen Situationen menschlichen Erdendaseins unsere Spuren.
Keineswegs aber sind alle aus uns einander in jeglicher geistiger Hinsicht gleich, und jeder einzelne behält die Freiheit der Entscheidung, ob und wie lange er auf seiner erreichten Stufe stehen bleiben, oder aber: ob und wann er die darauffolgende ersteigen will.

Alle der Unseren aber hören immerdar den Ruf, der sie berufen hat…

Vielleicht würde nur Weniges deiner übersteigerten Vorstellung von dem Wesen gotteiniger Menschen entsprechen, könntest du einen aus uns, die man „Meister der sieben Tore” zur Gottheit nennt, in seiner irdischen Einkleidung erkennen!?!

Jedoch: – das Äußere ist dem Weisen nur gültig als notwendig irdisch geforderter Schein, und jeder Schein ist an sich trügerisch, – auch wenn er wahrlich nicht als bloßes „Nichts” gewertet werden darf. –

Wie sollten aber die „Wolken der Erkenntnis” das Land befruchten können, wenn sie nicht – in eine Welt des Scheines gesandt – als Schein im Schein zu wirken wüßten?! –

Glaube aber nicht, daß du einem aus uns begegnen müßtest, um sein geistiger Schüler werden zu können!

„Von außen her” lehrt keiner aus uns die letzten Dinge!

Was ich dir hier sage, kann dir wohl Anstoß deines Willens werden, die Wahrheit zu suchen, aber alle Lehre, die ich dir in Worten meiner Sprache geben kann, bleibt stets nur Weckruf an dein Inneres, denn die Weisheit des Himavat wird anders „gelehrt”…

Sie ist tiefer gegründet, als nur auf die Auffassungsfähigkeit der Gehirne!

Tiefer als alle menschlich vergänglichen, irdisch veränderlichen Lehren und Schulen!

Du kannst aber nicht im Innersten deines Innern mit den lebendigen „Steinen der großen Mauer” leben, bevor du gewohnt bist, in ihrer Luft, hoch über allen Nichtigkeiten von vermeintlicher Wichtigkeit, und hoch über aller bramarbasierenden Marktschreierklugheit zu atmen.

Wie aber der Ton auf allen Harfen im Saale mitklingt, wenn der Finger des Spielers die Saite einer Harfe berührt, so klingen alle heiligen Klänge für jeden Schüler der geistig eingeordnet wurde, nachdem er die „Stimmung” der „Harfen des geweihten Berges” in sich erreichte…

Dein innerer Zustand ist der Schlüssel, der dir die Pforte öffnet zum geheimen geistigen Tempelraum!

Nichts kann dir verschwiegen, nichts dir vorenthalten werden, wenn du diesen Schlüssel wirklich dir erworben hast, – der aber auch nur so lange aufzuschließen vermag, solange du in dem durch geistiges Gesetz geforderten Zustand verharren wirst. –
Suche aber nicht etwa Klänge in dir zu hören, Visionen zu haben, oder Worte derart zu vernehmen, als wenn sie von außenher zu dir gesprochen würden!

Prüfe dich selbst und bleibe seelisch wach, damit du nicht Wahn- und Wunschträumen zu Willen wirst, wo du die Wirklichkeit erkennen lernen willst!

Suche nichts, außer dem Zustand innerster, wunschlos vertrauender seelischer Stille!

In dem gleichen Grade, in dem du dich diesem Zustand näherst, wirst du dich Denen nähern, die mit dir den Weg zur Wahrheit geleitet werden, und ebenso wirst du dich von ihnen entfernen, wenn du versäumst, den Zustand allerinnerster wunschloser Stille ungestört in dir zu erhalten.

Keine äußere Unrast kann diese hier gemeinte Stille stören, die nur durch dein eigenes Verhalten allein bestimmt wird in dir. –

Suche nicht in seelischem Zwielicht nach den geahnten Gefährten.

Du kannst nur teilhaben an ihrer bereits erlangten Kraft, und du wirst dieser Stärkung deiner eigenen Kräfte gewiß bewußt zu werden vermögen, – doch um die mit dir im Streben zum Geiste Vereinten weiß nur der, dessen Schüler du bist, wie auch jene seine Schüler sind.

Grüble nicht, sondern sei dir nur stets der ehrlichen Anspannung aller deiner dir bekannten inneren Fähigkeiten bewußt!

Keinen Augenblick darfst du dich selbst aus dem Auge der Seele verlieren!

Du könntest sonst den Weg verfehlen, und würdest erst nach langer Zeit gewahr, daß du nicht mehr auf dem Wege bist…
Wenn du zu denen gehörst, die auf dieser Erde ihre Zeit nicht ungenützt versäumen, dann wird dir schon während dieses Erdenlebens in deinem eigenen Innern der strahlende Tag erscheinen.

Dann wirst du allen Gefahren entronnen sein, denn du wirst alsdann deinen Weg aus deiner eigenen Klarheit erleuchtet sehen.

Doch heute darf deine Sorge gewiß noch nicht jenem Tage gelten, dem du nur in Geduld entgegen wachen lernen sollst!

Du weißt es nicht, wann er dir beschieden ist, und niemand weiß es…

Du selbst bestimmst deine Zeit, und mußt „deine Zeit” erfüllen!

Es genüge dir das Wort, das ich dir hier zu sagen habe:
In der vollendeten Zeit wird auch dir die Vollendung nahen!

Alle Ungeduld trübt nur deinen Blick und verzögert dadurch das Werk.

Ewig bist du, und dein ist die Ewigkeit!

Beharrlich harre aus!

Gelassen lasse das „Angenommene”!

Du hast es nur gut zu verwalten!

Es ist keineswegs dein Besitz. –

Erstrebe täglich und stündlich den hohen Zustand innerer Stille, mitten im Lärm der Außenwelt!

Erfülle dich mit gläubigem Vertrauen und halte dich frei von aller Furcht!
So kommst du im Geiste dem nahe, der dich geistig leiten kann, – so wirst du im Geiste die hohe Gemeinschaft gewahr, aus der er dich erreicht, – – so kommst du endlich zu dir selbst in deinem lebendigen Gott!