DER LEUCHTENDE DEM SUCHENDEN DIE ERNTEDAS

DAS BUCH DER KÖNIGLICHEN KUNST PDF

DAS BUCH DER KÖNIGLICHEN KUNST

Das Licht vom Himaval und die Worte der Meister.
Dur Leuchtende dem Suchenden.
Die Ernte.
Das unendlichfältige Eine.
Erkenne Dich selbst.
Von den geistigen Meistern.
Die Gefahr der Eitelkeit.
Aus dem Lande der Leuchtenden.
Die Schwelle.
Die Frage des Königs.
Die Wanderung.
Osternacht.
Vereinung.
Der Wille zur Freude.
Allen, die zum Lichte streben.
Die Lehre.
Ausklang.



 

DER LEUCHTENDE DEM SUCHENDEN

Ich will dir vom Wege sagen, den ich selbst gegangen bin!

Ich will den Weg dir zeigen, zu dem ich selbst geworden bin!

Ich war der Sonne so nahe gekommen, daß sie den ganzen Himmel bedeckte.

Alles stand in Flammen, über und unter mir.

Ich war Wanderer auf dem Wege ins Licht, und ehe ich es versah, war ich Weg geworden ohne Wahl…

Zum Wege geworden aber, schoß ich wie ein Pfeil ins Ziel: – verbrannte mich selbst in der glühenden Sonne.

So ward ich selber Glut und Leuchten.

Mich selbst verzehre ich in meinem Feuerlicht: – wie könnte ich anderes wollen, als daß Alles zu Licht und Feuer werde!

Alle Sonnen brennen im selben Licht!

Wer zur Sonne verbrannte, ist mit allen Sonnen vereinigt.–

Du weißt nicht, welcher Sonnen Licht in meinem Lichte dir leuchtet!

Ziehe nicht Grenzen der Willkür!

Im Lichte verschwinden alle willkürlichen Grenzen.–

Suche das Licht in den Sonnen und die Sonnen in ihrem Licht!

Liebe ein wenig das Licht in allem Leuchten, – du Suchender!

Willst du dem Lichte nahen, so gib den Widerstand auf!

Alles in dir ist noch Widerstand!

Alles in dir ist noch Rede: – darum hörst du nicht…

Alles in dir ist noch Blick: – darum kannst du nicht sehen…

Gebiete dir selber Schweigen und halte die Blicke gesammelt, damit die Stille Einkehr bei dir halte!

Nur in der lautlosen Stille vernimmst du das ewige Wort! –

Noch aber sind tausend Widerstände in dir, die gegen ein anderes Tausend streiten.
Noch bist du nicht frei in dir selbst!

Noch bist du nicht wunschlos willig, mit mir deinen Pfad zum Lichte zu wandeln.

Der „Anfang”: – das Ursein, – zeugt aus sich das Urlicht, und das Urlicht zeugt das Wort.

Das Wort aber hat das Licht des Lebens, und das Licht leuchtet im Wort, das den „Vater” zeugt: – den Urgeist Menschen, – in der tiefen Stille der Ewigkeit, die heute ist, wie sie allzeit war und immerdar bleibt.

Was wir dir aus dem Wort verkünden, ward nicht von Menschenhirnen ersonnen…

Es ist Aufschluß der Ewigkeit und hat nichts mit erdachter Erdenweisheit zu schaffen.

Was du hier empfängst, ist Licht aus dem Wort!
Im Wort sind wir alle, denen du diese Worte dankst, vereint in Erkenntnis und Bewußtsein.

Wir schaffen geistgesetzte Ordnung durch das Wort: – im Chaos der Spiegelbilder, die sich bedrängen und verdrängen auf der Oberfläche stetig bewegter, in Alleräußerstes strebender Kräftewellen.

Wenn wir lehren, lehren wir uns selbst erkennen.

Nur in vorgelebter Lehre kann man dir lebendiges Licht vor Augen stellen, ohne dich durch seinen Urglanz zu blenden.

Willst du zum Lichte, so mußt du glauben lernen!

Glauben heißt: Kraft entfalten, um höhere Kraft zu erwecken.

Gläubige Worte allein schon können Kraftentfaltung sein, aber in Worten allein sollst du nicht glauben lernen.

Glaube ist Wille!

Nach deinem Glauben wird dir geschehen wie du gewollt!

Wie dein Glaube, so sind deine Kräfte!

Nur deine eigene Kraft löst alle höheren helfenden Kräfte für dich aus!

Wenn du zum Lichte willst, lerne beten!

Wenn du betest, so bitte vor allem um Flügel! –

Siehe: es gibt Flügel, die höher tragen als Adlerschwingen…

Es gibt Flügel, die dich über alle Sterne tragen.

Um solche Flügel bitte, wenn du beten willst!

Ein jedes andere Gebet wird Lästerung, wenn du in dir nicht auch zugleich um diese Flügel bittest. – –

Wer um Flügel bittet, dem werden wahrlich auch Flügel gegeben…

Indem du fliegen willst, werden dir Schwingen wachsen!

Noch während du betest, wirst du erhoben sein!

Und nun, du Suchender, zerstöre die falschen Götter, willst du dem Einzigen, Ewigen nahen: – deinem lebendigen Gott!

Dein Gott ist in dir selbst, und nur in dir selber kannst du seiner innewerden!

Nur in dir selber kann er sich dir gebären…

Nur in dir selber sich dir vernehmbar machen!

Du sollst keinen „Gott” suchen außer dem Gotte in dir!

Du sollst keinem anderen „Gotte” dienen wollen!

Höre die uralten, irrig gedeuteten Worte!

Höre sie neu im Verstehen!

Höre mit bebendem Herzen: –

„ICH” – „bin der Herr!” – spricht dein Gott…

„Du sollst keine anderen Götter suchen!” –

„Du sollst dir keine Vorstellung gestalten, um dir selber einen „Gott” zu schaffen, der als monströses Zerrbild deiner selbst in nur durch dich bedingtem Dasein wäre, bis du selbst dem Irdischen entschwunden bist! – –”

Hier, o Suchender, stehst du vor aller Wahrheit Anfang und niemals endendem Ende!

Wohl dir, wenn du erkennst, was dir die Worte dessen, dem sein Gott einst also sprach, – zu sagen haben. –

Mit Absicht gab ich dir hier dieser Worte ewigkeitsgezeugten Sinn!