MAGIE

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DAS BUCH DER GESPRÄCHE

Bekenntnis.
Wissen und Geschehen.
Licht und Schatten.
Die Macht des Geistes.
Das Kleinod des Herzens.
Überkehr.
Das Gespräch vom innersten Osten.
Das Gespräch vom Scheiden des Vollendeten.
Der Blumengarten.
Die schlechten Schüler.
Die Nacht der Prüfung.
Individualität und Persönlichkeit.
Das Reich der Seele.
Das Finden seiner selbst.
Von den älteren Brüdern der Menschheit.
Magie.









 

MAGIE

 

Das flimmernde, körperhaft weisse Mondlicht des Südens rann herab über die Felsschründe der kahlen Berge und füllte das weite Tal mit seinen Olivenwäldern wie einen See.
Die Marmorsäulentrümmer des verfallenen Heiligtums leuchteten wie Opale, und auf den Fliesen lag eine seidene Decke bläulich-weissen Leuchtens, so dass es den Anschein hatte, als sei alles bedeckt mit frisch gefallenem Schnee.
Die beiden Männer durchschritten schweigend die heiligen Stätten der Vorzeit, bis sie zu den Fundamenten eines alten Tempels gelangten und dort sich niederliessen.
«Diesen Tempel», sprach der eine der beiden Männer, «hat einst, vor Jahrtausenden, einer der unseren begründet, und manches Jahrhundert hindurch standen seine Priester unter unserer Leitung…
In der Sage des Volkes hiess es dann später, einer ihrer Götter sei der Gründer des Heiligtums gewesen.
Der Ort, an dem wir lagern, ist heute noch geheimnisvoll, nur wissen die Menschen dieser Zeit nichts mehr von seinem Geheimnis…
Wo immer einer der unseren in alter Zeit ein solches Heiligtum begründete, dort suchte er sich eine Stätte, an der es gelingen konnte, gewisse fluidische Kräfte der Erde zum Überquellen zu bringen, was durchaus nicht an allen Orten auf diesem Planeten möglich ist.
Heute sind diese Quellen fluidischer Kräfte zwar an den meisten dieser Orte längst versiegt, aber noch immer sind die Kräfte, die einst hier wirksam werden konnten, an solchen Orten wie auf einen Anziehungspunkt konzentriert, die Kräfte folgen noch den gleichen Bahnen, die einst den Schöpfer des Heiligtums bewogen hatten, an dieser Stätte einen Tempel zu begründen und Priester zu heiligem Dienste heranzubilden.
Die Priester dieser Tempelheiligtümer waren keineswegs von Anfang an jene «Betrüger», für die man sie heute halten muss, da man nichts mehr von den geheimnisvollen Kräften ahnt, die an solchen Orten zur Betätigung kamen, durch eine wahrhafte Magie, von der die Welt nur noch den Namen kennt und ihn dem Betrug und der Täuschungslust als Mantel verliehen hat...
Es gab eine wahrhaftige hohe Magie, und es gab magische Stätten auf dieser Erde, ja, man könnte sie jetzt noch finden, wenn man zu suchen wüsste.
Dieses «Suchen» jedoch ist den Menschen der heutigen Zeit nicht mehr möglich, denn sie haben aumählich die Kräfte in sich verkümmern lassen, die sie zum erfolgreichen Suchen benötigen würden. – –

 


Der Mensch ist enger mit den Kräften der Erde verbunden, als er, dem blossen Augenschein zu sehr vertrauend, glauben kann.
Unzählige Kräfte dieser Erde wären ihm Untertan, wenn er in sich jene Macht zur Entfaltung bringen würde, der diese Kräfte Gehorsam leisten müssen.....
Wenn man es lehren könnte, diese Macht in sich zu entfalten, dann würde gar bald alle Welt zu eines solchen Lehrers Füssen sitzen. –
Die Entfaltung dieser Macht ist aber an ein inneres Wachstum gebunden, und bevor es nicht im Innersten eines Menschen licht und klar geworden ist, so dass er bei geschlossenen Augen alles was er sehen will, in sich selber sieht, kann er die Macht in sich nicht finden, noch jemals gebrauchen lernen.
Er ahnt nicht einmal wovon man spricht, auch wenn man ihm von der Macht in seinem eigenen Innern redet. – – – – –
Auch wenn man von dem ,Sehenkönnen bei geschlossenen Augen’ zu sprechen wagt, weiss keiner, was das ist, und die meisten glauben, sie vermöchten das längst, weil sie die Gebilde ihrer Phantasie mit wahrer Innenschau verwechseln. – –
Was es heisst, dass alles im Innern klar und leuchtend werden müsse, vermögen sie niemals zu erfassen, und sie glauben, dass die Klarheit des Verstandes, das logisch aufgebaute Denken, – diese Klarheit sei. – – – – –
Sie ahnen noch nicht, dass es über diesem vielgepriesenen ,Denken’, das für immer zu Ende ist, wenn der Erdenleib zerfällt, noch ein anderes Denken gibt, bei dem der Gedanke se1bst lebendig und seiner bewusst wird, so dass er, losgelöst von allem erdgebundenen Denken’, sich selbst zu denken vermag. – – – – –

Da gibt es kuriose ,Lehrer’ in meinem Lande, und sie fanden auch den Weg zu euch ins Abendland, – die ihre Schüler dazu erziehen wollen, ,die Gedanken zu beherrschen’ und sie sehen darin alles Heil, weil sie eine leise Spur der Wahrheit gefunden haben, und entdeckten, dass irgend etwas hier mit dem Gedanken zusammenhängt…
Wenn diese Törichten fassen könnten, dass kein Mensch je zur Wahrheit gelangen kann, in dem nicht der lebendige, seiner selbst bewusste Gedanke aus dem Schlafe erwacht, und Herr und Meister wird, dann würden sie voll Entsetzen sehen, wie sie sich selbst und andere einer zwecklosen Marter unterwerfen, die schon so manchen an den Rand des Wahnsinns, wenn nicht zu völliger Umnachtung seines Denkens führte…
Sie lassen ihre Schüler stille sitzen und sich auf einen einzigen Gedanken des Gehirns nun ,konzentrieren’.
Sie wollen es soweit bringen, dass sie selbst und ihre Schüler minutenlang und länger ohne jeden Gedanken zu verharren vermögen, und glauben so das Licht der Wahrheit endlich zu empfangen.
Alles aber, was sie so erreichen, ist eine Zerrüttung der Nerven und des Gehirns in diesem physischen Körper. – –
Die ,Erlebnisse’ geistiger Art, die sie zu haben vermeinen, sind niemals etwas anderes, als die Ergebnisse der widernatürlichen Reizung ihrer physischen Nerven. – – –»
«Demnach», sprach der andere, «sollte man doch eigentlich vor aller ,Gedankenkonzentration’ und aller ,Beherrschung des Gedankenlebens’ lieber warnen?! –»

Doch jener, der zuerst gesprochen hatte, fiel ihm in die Rede und liess sich also vernehmen:
« Mitnichten, mein Freund!! –
Es kommt nur darauf an, was man erreichen will, und wie man diesen Rat versteht! – –
Wenn es sich nur darum handeln soll, jenes ,Denken’, das durch die Vermittlung subtilster physischer Organe, also durch das Gehirn bewerkstelligt wird, und durch die gleichen Organe ,bewusst’ zu werden vermag, von seinem planlosen Schweifen abzubringen, dann magst du stets empfehlen, alle Mittel anzuwenden, um diese ,Gedanken’, die nur Reflexe des wirklichen Gedankens in den abertausend Facettenspiegeln der Gehirne sind, jeweils auf einen Punkt zu sammeln.
Der denkende Mensch, der an sich noch nichts anderes ist als ein höher geartetes ,Tier’, wird die Fähigkeit, auf solche Weise die Arbeit seines Gehirns zu bestimmen, auf dieser Erde sehr wohl gebrauchen können.
Auch sollst du ihn lehren, seine ,Gehirngedanken’ an Gehorsam zu gewöhnen, so dass er nicht ihr Sklave wird.
Er soll lernen, jene Gedanken festzuhalten, die sein Tun bestimmen dürfen, allen anderen aber keine Beachtung zu schenken. – –
Er soll wissen, dass er nur seine Nerven zugrunde richtet, wenn er unfruchtbare oder verderbliche Gedanken durch Kampf gegen sie, aus sich entfernen will, dass er aber leicht ihr Herr wird, wenn er sie völlig unbeachtet lässt, wie sehr sie auch immer wieder sich in sein Bewusstsein einzudrängen versuchen.
Er muss wissen, dass er niemals, es sei denn auf Kosten seiner Nerven, ohne Gedanken sein kann, dass es aber in seiner Macht steht, den gewollten Gedanken sich hinzugeben und die ungewollten dabei in aller Ruhe, wie Bilder, die ihm nichts mehr zu sagen haben, an sich vorüberziehen zu lassen. – – – –
Solche stete Übung, die dann allmählich zur Gewohnheit wird, schafft Ruhe und Ordnung im Denken, das des Gehirns bedarf, und diese Ruhe und Ordnung ist erste Vorbedingung, will der Mensch einst dahin gelangen, den sich selbst bewusst empfindenden, lebendigen Urgedanken aus seinem Schlafe zu erwecken.
Hat er ihn erst in sich erweckt, was allerdings unter Zehntausenden kaum einem gelingt, nur weil so wenige wagen, ihn zu erwecken, – dann wird ihm alles ,Denken’, wie er es vorher gleich allen andern allein vermochte, nur wie der Schatten eines Lichtes erscheinen, das er bis dahin kaum in seinen fernsten Strahlen erahnte. – – – – – – – »
«Alles, was du sagst, o Verehrungswürdiger», begann nun der andere zu erwidern, – «alles, was du sagst, kann ich ja aus eigener Erfahrung, wie sie durch deine grosse Güte mir zuteil wurde, selbst bestätigen.
Ich würde dir aber Dank wissen, trotz allem, was mir selber kund geworden ist, wenn ich aus deinem Munde, solange wir noch in irdischer Nähe sind, vernehmen könnte, wie du selbst die Macht, die im Menschen verborgen liegt und die uns in steter Weitergabe übertragen wurde, die Macht über geheime Kräfte der Erde, in menschhchen Worten darzustellen weisst.»
Und der Erhabene sprach:
«Glaube nicht, dass ich den Faden meiner Rede verloren hätte!
Ich wollte dir nur an diesem heiligen Orte und in dieser Stunde den Weg der Worte weisen, den du befolgen sollst, willst du den Menschen des Westens von jener hohen, wahren Magie berichten, die du nun selber kennst und von der sie glauben, dass sie nur Ausgeburt des frommen Truges und gemeiner Täuschung sei.
So musste ich nun die deutliche Unterscheidung setzen zwischen dem, was die Menschen ,Denken’ nennen und dem lebendigen, seiner selbst bewussten Gedanken, der in uns, die wir ihn erweckten, aller ,Meister’ Meister ist, da doch nur er allein jene Macht uns gab, durch die wir geheimen Kräften der Erde gebieten können.
Sage nun aber den Menschen des Westens, dass sie diese Macht in irriger Weise verstehen, – sage ihnen, dass keiner aus ihnen diese Macht erlangen kann aus sich selbst, dass nur einer ist, der den Schlüssel zu dieser Macht in Händen hält, und dem auch wir sie danken, – dass aber auch wir sie nicht empfangen hätten, wäre nicht vorher in uns der lebendige, seiner selbst bewusste Gedanke aus seinem vieltausendjährigen Schlafe erwacht, wäre er nicht in uns zu unsterblicher Herrschaft und Herrlichkeit gelangt! – – – – –
Die Menschen glauben noch immer, diese Macht sei Folge einer äusseren Tätigkeit, verlange von dem, der sie besitzt, die Ausübung ,magisch’ genannter Künste, und ihre Wirkung sei an ,Riten’ und ,Zeremonien’ gebunden.
Du sollst nicht verbergen wollen, dass es auch eine Art niederer und nur zeitweiliger Herrschaft über gewisse geheime Kräfte der Erde gibt, die durch solcherlei Übung bewirkt werden kann, – allein du sollst mit aller Deutlichkeit auch verkünden, dass alles dies keineswegs mit jener Macht über Kräfte dieser Erde, und durch sie über kosmische Kräfte, in Beziehung steht, die man als die erhabene Magie des Geistes bezeichnen darf. – – –
Die ,Magie’, die durch äussere Mittel, durch , Riten’ und ,Zeremonien’ wirkt, und an die Ausübung gewisser äusserer Verrichtungen gebunden ist, steht in dem gleichen Verhältnis zur Magie des Geistes, wie der ,Gedanke’, der das Gehirn zu seiner Darstellung gebraucht, zu dem ewigen, seiner selbst bewussten und sich selbst denkenden Gedanken. – – –
Versuche es, den Menschen des Westens Klarheit darüber zu geben, dass das einzige Wirkungsmittel dergöttlichen Magie des Geistes der Wille ist, den kein Wunsch mehr beherrscht, und dass dieser Wille über weite Reiche der geheimen Kräfte der Erde gebietet durch sich selbst. –
Schenke ihnen Klarheit darüber, dass wir selbst uns in enge Bindung an ewige Gesetze geben mussten, als wir diesen wunschlosen Willen in uns erlangten, dass wir in keiner Weise mehr tun können ,was wir wollen’, wobei der Mensch der Erde gemeinhin sein Wünschen als Wollen fasst, sondern dass wir uns einem ewigen Willen einen mussten, der nun in unserem Willen sich selber will, ohne Rücksicht auf unsere Wünsche, wenn sie ihm entgegenstehen wollten. – –
Sage den Menschen, die du lehren magst, dass wir alle unsere Wünsche dem ewigen Willen ein für allemal unterordnet haben, so dass unser Wille frei ist von jedem Wunsch und nur aus sich selber wirkt, im Dienste des ewigen Willens und aufs innigste mit ihm vereint......
Man wird dich schwerlich gleich richtig verstehen, denn allzusehr sind die Menschen, unter denen du wirken sollst, daran gewöhnt, jede neue Lehre in die Formen alter Lehren einzupressen, bis sie ihnen als alte Lehre verständlich’ erscheint.
Zwar gibst du ihnen die älteste Geisteslehre der Welt, allein, du darfst niemals vergessen, dass Elemente dieser Lehre sie zu jeder Zeit erreichten, und dass sie aus diesen Elementen sich allezeit Lehren schufen, die Irrtum und Wahrheit in krausem Arabeskenspiel vermengen.
Ich zweifle auch nicht daran, dass viele ihrer neuesten Lehrer ,uralter Weisheit’ mit Freuden der Wahrheit dienen würden, wenn sie die Wahrheit nur zu erkennen vermöchten, und nicht befangen wären in dem Wahn, die Wahrheit sicher zu besitzen.
Es wird deine eigene Aufgabe sein, dich von solchen ,Lehrern’ sorglichst und klar erkennbar zu scheiden, und wie du weisst, teilen wir in keiner Weise deinen menschlich so verständlichen Glauben, dass die von jenen Lehrern Belehrten am besten vorbereitet seien, die Wahrheit zu empfangen.
Willst du unter diesen Menschen irrtumsbeladenen Wissens deine Schüler suchen, so wirst du es tun auf eigene Gefahr und mit persönlicher Verantwortung. –
Obwohl du nun mit uns in organischer Geistesgemeinschaft vereinigt bist, müssen wir dir jede persönliche Freiheit lassen, aber nur du allein trägst in diesen Dingen die Verantwortung.
Willst du unserem Rate hier nicht entsprechen, so mag es immerhin geschehen, und auch deine spätere Erkenntnis, dass wir dich recht beraten hatten, wird dir zur Förderung dienen, die mancher Enttäuschung wert erscheinen darf. –
Wir raten dir, – wende dich mit deiner Lehre an alle, die du erreichen kannst, so wie der Regen über fruchtbare Gefilde und über steiniges Felsenland herniederströmt!
Auch in steinigter Einöde harren Pflanzenkeime der Entfaltung…
Es darf dich wenig bekümmern, ob du von den einzelnen weisst, die durch deine Lehre zur Wahrheit finden, oder nicht. – –
Deine Aufgabe ist, die Weisheit des innersten Ostens, die so lange verhüllt und verborgen war, den Menschen des Westens in deiner Weise aufzuzeigen.
Du weisst, dass andere aus uns, die stets in völliger Verborgenheit leben, die Aufgabe haben, jene jungen Keime aufzusuchen, die durch den befruchtenden Regen deiner Lehre in den Ländern des Westens nun ihrer Entfaltung entgegenstreben!
Du darfst dich nicht verleiten lassen, durch wen immer es auch sei, dir selbst eine Aufgabe zu erteilen, die wir, die organische geistige Einheit der hohen Gemeinschaft, dir nicht übertragen haben. – – – – –
Du darfst dich auch nicht entmutigen lassen, wenn du selbst keine ,Erfolge’ deiner Lehre entdecken kannst.
Du sollst wieder und wieder deine dir vertraute Lehre verbreiten, sollst in den gleichen und ähnlichen Worten stets wieder die gleiche Lehre geben, ohne darauf zu achten, wer dir zuhören mag und wer deiner Lehre zu folgen gesonnen ist.
Wir wollen, – wir, als organische, geistige Einheit, – dass du, unser Bruder, den Menschen des Westens die Möglichkeit gibst, zu erkennen, dass auch heute noch jene ,Mysterien’ leben, von denen die Gebildeten unter ihnen aus der Geschichte wissen.
Wir wollen, dass eine neue Zeit tiefsten geistigen Lebendig werdens auf dieser Erde beginnen möge, und wir glauben, dass die Völker des Westens einst die reifen Früchte mit uns teilen werden, die sie aus dem Samen, den wir durch dich ihnen gaben, erzielen können…
Du weisst, dass du als irdische Persönlichkeit nur der Vermittler einer Weisheit sein kannst, die dir nie geworden wäre, hätte nicht einer derer, die der Menschheit schon seit ilrzeittagen ihre Hilfe senden, sich mit bewusstem Wülen deinem Geiste geeint, bevor du noch auf dieser Erde deiner Mutter zum Sohne geboren wurdest!
Wir verstehen, dass es dir mehr entsprochen haben würde, deine Weisheit für dich zu behalten, und still deine Erdenwege zu ziehen, aber wir müssen dich zum Lehren verpflichten, auch wenn wir dir dadurch eine Bürde auferlegen, die dich zuzeiten sehr bedrücken mag. – –
Lehre die westliche Welt, dass die magischen Kräfte auf dieser Erde nicht verschwunden sind, und dass sie nur einer neuen Menschheit harren, um sich aufs neue zu betätigen.
Lehre alle, die dich fragen, wie sie den magischen Pol in sich selber wieder zum Leben bringen können.
Lehre sie, dass Bereitsein, hohen Kräften zu begegnen, diese Kräfte wieder ins Leben rufen kann!
Lehre sie, dass aller Anspruch auf höheres inneres Erleben sich nur auf die innere Haltung gründet, niemals auf die Heftigkeit des Wunsches!
Lehre sie, dass nur in völliger Ruhe der Seele die Botschaft des Geistes zu empfangen ist!
Lehre sie, dass die Fähigkeiten ihrer Seele nur zum allerkleinsten Teil sich ihrem Bewusstsein zeigen!
Lehre sie, auf nichts sich zu verlassen, als auf das eigene innerste ,Ich’, das alle Hilfe automatisch herbeizieht, deren es bedarf!
Alles Vertrauen, so sage ihnen, muss Vertrauen zum Leben, zum eigenen ,Ich’, muss Selbstvertrauen sein!
Sage ihnen:
Das ,Ich’ ist eure gegebene Quelle aller Kraft!
Im ,Ich’ nur findet ihr euch selbst!

Im ,Ich’ spiegelt sich alles Wirkliche!
Das ,Ich’ ist die Quelle alles Wissens letzter Wahrheit und Wirklichkeit!
Das ,Ich’ ist das Forum, auf dem ihr allen Geistern des unendlichen Daseins begegnen werdet!
Im ,Ich’ ist die Kraft gegeben, die alle Kräfte meistern lernen kann!
Das ,Ich’ ist ewig still. – –
Wer in die grosse Stille gelangt, der kann in ihm die höchsten Kräfte finden!
Im ,Ich’ findet ihr den allumfassenden ewigen Geist!
Im ,Ich’ nur kann sich euch euer lebendiger Gott gebären!
Der Körper der Erde aber muss glauben lernen an das ewige ,Ich’!
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Sage ihnen weiter:
Niemand kommt zum Bewusstsein seines ewigen ,Ich’, der nicht vergessen kann, was er vorher war!
,Ich’ ist: nicht etwas, – kein Gegenstand, der ergriffen werden könnte, kein ,Wesen’, – also ein ,Nichts’, aber das Nichts, das Alles ist: – – die Form der Einheit alles Seienden!
Ihr seid wahrhaftig nur in diesem ,Nichts’!
Wird es von euch als euer ,Ich’ empfunden, dann habt ihr alles, was da ist, gefunden in euch selbst!
,Ich’- Bewusstsein ist das Bewusstsein alles Seins ,Mittelpunkt’ in sich selbst zu tragen. – – – – – – – – – – – –
So lehre die Menschen der westlichen Welt, die deiner Lehre sich anvertrauen, und du wirst sie zu ihrem höchsten Ziele führen.
Keiner hat das ,höchste Ziel’ mit dem anderen gemein.
Verschieden wie die Sterne des Himmels in ihrer Grösse sind die ,letzten Ziele’.
Jeder aber kann hier auf Erden in seiner Weise das höchste Ziel, das ihm allein bestimmt ist, erreichen!
Führe alle, die sich dir vertrauen, zu ihren höchsten Zielen, aber warne sie davor, die ,höchsten Ziele’, die nur wenige zu jeder Zeit erreichen können, als ihre ,höchsten Ziele’ anzusehen.
Sage ihnen, dass es genügt, zu seinem eigenen ,höchsten Ziele’ zu gelangen, dass es aber Verderben bringt, das ,höchste Ziel’ eines anderen zu erstreben, auch wenn es das eigene ,höchste Ziel’ um Himmelshöhe überragt!
So führe die Menschen des Westens auf geraden Wegen zu jenem Licht, das sie heute noch auf Schleichwegen suchen, da sie es nicht anders zu erreichen vermeinen!
Ich verlasse dich nun in meiner erdenhaften Form und andere unserer Brüder werden dir begegnen, um mit dir in irdischen Worten Zwiesprache zu halten.
Keiner aber wird dir anderen Rat auf deinen Weg zu geben haben, und du selbst wirst in kurzer Zeit nach deinem eigenen Rate in gleicher Weise dir raten, denn wie wir eines im Geiste sind, so wird auch jeder, der zu uns gehört, in kurzem eines Sinnes mit uns allen, in den Dingen, die er selbst allein für sich erwägt. – – – – – – – – –”

Unter solcher Belehrung war der junge Tag allmählich emporgestiegen und die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne vergoldeten bereits die Zinnen der Berge.
Tief unten lag in der Ferne schwarzblau das südliche Meer.
Da kamen Leute den Weg entlang gezogen, der vorbeiführte an der Ruinenstätte des alten Heiligtums. Sie führten ein Lasttier mit sich und erwarteten den hohen Meister.
Dieser aber umarmte seinen jüngeren Bruder zum Abschied, bestieg das Lasttier und zog mit jenen Leuten weiter, einem fernen Ziele zu. Der Jüngere aber, nachdem er den kleinen Zug der Wanderer noch eine kurze Wegstrecke begleitet hatte, wandte sich schliesslich mit einem letzten Gruss zurück und schritt in den ersten Strahlen der Morgensonne seiner Herberge zu, die Worte des hohen Bruders in seinem Herzen erwägend, und bereit, danach zu tun.– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

So endet nun dieses «Buch der Gespräche» damit, dass ich dich teilnehmen liess an einer Unterredung, deren es viele gab, und die zum Anlass wurden, dass solche Bücher von mir geschrieben werden mussten.
Gar manches Jahr ist seit jener Nacht in den Ruinen eines Heiligtums der alten Welt verflossen, und längst schon bedarf der dort Belehrte der Frage nicht mehr…
Längst ist er seinen Brüdern in allem gleich geworden. – – –
Noch aber ist die Aufgabe, die ihm wurde, erst am Beginn ihrer Lösung angelangt.
Möge auch dieses «Buch der Gespräche» zu ihrer völligen Lösung beitragen helfen!
Möge es dir zur Klärung vieler Fragen dienen!– – – – – –